Nach und nach entschlüsseln Mediziner, warum uns Leinöl so gut tut: Das Geheimnis des goldgelben Öls liegt in seinen gesunden Omega-3-Fettsäuren. Das „flüssige Gold“ ist daher außergewöhnlich gesund und eines der wertvollsten Pflanzenöle überhaupt.


Kaltgepresst besonders wertvoll

Leinöl wird aus Leinsamen gewonnen. Die Lein-Pflanze, auch Gemeiner Lein oder Flachs genannt, wird bis zu 1,20 m hoch und trägt viele blaue, weiße, manchmal auch rosafarbige Blüten. Aus diesen Blüten bilden sich Fruchtkapseln, die einige braune, eiförmige Kerne, die Leinsamen, enthalten.

Das kalte Pressen der Leinsamen zu Öl gilt als besonders schonend. Durch den Verzicht auf zu hohe Temperaturen bleiben mehr Vitamine und gesunde Inhaltsstoffe sowie der nussige Geschmack erhalten. Eine Variante des Kaltpressens ist die Pressung unter Ausschluss von Sauerstoff. Durch eine besondere Schutzatmosphäre wird die Oxidation des Öls während der Herstellung verhindert – nahezu alle wertvollen Inhaltsstoffe bleiben erhalten. Kaltgepresstes Leinöl ist daher qualitativ am hochwertigsten.

Die Heißpressung wird hauptsächlich für Leinöl eingesetzt, welches später für handwerkliche und industrielle Zwecke genutzt wird. Das Öl wird anschließend raffiniert, das heißt von Geruchs- und Geschmacksstoffen sowie Schwebstoffen befreit. Bei beiden Verfahren gehen viele der gesunden Inhaltsstoffe verloren.

Auch an der Farbe kann man erkennen, wie das Leinöl hergestellt wurde: Kaltgepresste Sorten haben einen typischen goldenen Schimmer. Wird das Öl heißgepresst, ist es dunkler und bräunlicher. Raffiniertes Leinöl ist gelblich und klar.

Leinöl schmeckt angenehm nussig und herzhaft mit Nuancen von Heu und Gräsern. Falls Ihnen das Aroma zu intensiv ist, können Sie ein anderes Öl untermischen. Auch der Geruch von Leinöl erinnert an frisch gemähte Wiesen. Wird es allerdings falsch oder zu lange gelagert, entwickelt es einen bitteren, ranzigen Geschmack.


Heilmittel des Hippokrates

Leinsamen wurden schon 5000 v. Chr. in ihren Ursprungsregionen wie dem heutigen Irak als Naturheilmittel verwendet. Sie sollten unter anderem gegen Erkrankungen der Atemweg helfen. Auch in den ägyptischen Pyramiden fand man versteinerte Leinsamen. Diese wurden den Pharaonen mit ins Grab gelegt, damit sie auch im Jenseits davon profitieren konnten. Auch das Material zur Mumifizierung selbst bestand aus Leinen, einem aus Flachs gewonnen Textil. Leinen war lange Zeit der gängige Grundstoff für Kleidung, bis die Baumwolle Einzug hielt.

Schon in der Antike nutzten die Griechen Leinsamen und das daraus gewonnene Öl wegen seiner gesunden Eigenschaften auf den Körper. Auch Hippokrates verabreichte das gesunde Öl gegen Atemwegserkrankungen, Durchfall und Bauschmerzen.

Das Wort „Lein“ leitet sich wahrscheinlich vom keltischen Wort „Lin“ für „Faden“ ab. Durch den traditionellen Gebrauch von Flachs als Textil und Nahrungsmittel fand es auch seinen Weg in unseren Sprachgebrauch. Redensarten wie „den Faden verlieren“ oder „ohne Flachs“ lassen sich auf den früher alltäglichen Umgang mit Lein zurückführen.

Ein in Ostdeutschland und Schlesien verbreitetes, traditionelles Rezept ist auch heute noch Quark mit Leinöl z. B. zu Pellkartoffeln. Das schmeckt nicht nur gut, sondern verlängerte in Zeiten ohne Kühlschrank durch die schützende Ölschicht auch die Haltbarkeit.

Ursprünglich stammt die Leinpflanze (Linum usitatissimum) aus Nordafrika und dem Gebiet des heutigen Syriens und dem Iran. Mittlerweile wird Lein auch in Europa erfolgreich angebaut. Beispielsweise ist seit 1924 die Marke „Lausitzer Leinöl“ rechtlich geschützt und verweist auf eines der größten deutschen Anbaugebiete.


Kühl lagern oder einfrieren

Eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale von Leinöl ist sein Geschmack. Es sollte mild, nussig und möglichst wenig bitter schmecken.

Bei der Lagerung von Leinöl sollten Sie darauf achten, dass es sehr oxidationsempfindlich ist.  Das heißt, dass es schon nach kurzer Zeit mit Luft reagiert und dann bitter und ranzig wird. Daher am besten immer gut verschließen, dunkel und möglichst kühl lagern. Im Kühlschrank ist kaltgepresstes Leinöl sechs bis acht Wochen haltbar. Wer nur wenig verwendet, kann es auch portionsweise einfrieren und damit bis zu einem halben Jahr haltbar machen.

Haben Sie beim Einkauf einen Blick darauf wie lange das Leinöl noch haltbar ist. Viele Hersteller geben auch das Herstellungsdatum mit an. Je frischer, desto besser. Bio-Leinöl ist besonders hochwertig, da sich der nachhaltige Anbau von Lein auch in dessen essentiellen Inhaltsstoffen wieder spiegelt.


Beste Quelle für Omega-3-Fettsäuren

Die wertvollen Inhaltsstoffe im Leinöl haben viele positive Wirkungen auf den menschlichen Organismus und die Gesundheit. Am meisten profitieren Sie, wenn Sie Leinöl regelmäßig zu sich nehmen. Das außergewöhnliche gesundheitliche Potential rührt von seinem hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren. Leinöl enthält 70 Prozent mehrfach ungesättigte Fettsäuren, darunter viele gesunde Omega-3-Fettsäuren, 20 Prozent einfach ungesättigte Fettsäuren und nur 10 Prozent gesättigte Fettsäuren.

In keinem weiteren pflanzlichen Öl stecken so viele Omega-3-Fettsäuren wie im Leinöl. Andere Pflanzenöle, die auch als Omega-3-Lieferant angepriesen werden, liefern nur einen Bruchteil davon. So bietet Leinöl rund sechsmal mehr gesunde Omega-3-Fette als Rapsöl.

Leinöl ist auch besonders reich an der Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure. Diese kann der Körper in Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) umwandeln, die das Immunsystem und das Herz-Kreislauf-System positiv beeinflussen können. Schon ein Teelöffel Leinöl reicht aus, um den Tagesbedarf zu decken.

Der Grund, warum Mediziner das goldgelbe Öl so schätzen: Im Gegensatz zu anderen Ölen liefert Leinöl nur wenig Omega-6-Fettsäuren. Da Omega-6-Fettsäuren den körpereigenen Umbau zu EPA und DHA bremsen, sollten wir nicht zu viele davon aufnehmen. Über Sonnenblumenöl, Eier und Fleisch nehmen wir ohnehin schon mehr Omega-6-Fette auf, als wir brauchen.

Weitere gesunde Inhaltsstoffe des Leinöls sind die Vitamine des B-Komplexes, Beta-Carotin sowie Vitamin C, K und E. Ebenfalls von gesundheitlicher Bedeutung für den Körper sind die enthaltenen Mineralstoffe und Spurenelemente wie beispielsweise Magnesium, Zink, Kupfer, Eisen und Jod.

Um sich vor Fressfeinden zu schützen, enthält die Leinpflanze Linamarin, das durch pflanzeneigene Enzyme in giftige Blausäure umgewandelt werden kann. Für den Menschen ist das Linamarin aus Leinöl ungefährlich, da diese Enzyme im Magen inaktiviert werden.

Ebenfalls enthalten sind Polyphenole aus der Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe. Sie haben eine antioxidative Wirkung und schützen den Körper vor dem negativen Einfluss freier Radikale.


Ideal für die kalte Küche

Leinöl sollte nur kalt genossen und nicht erhitzt werden. Es ist viel zu schade, um damit zu kochen. Der Grund: Die wertvollen ungesättigten Fettsäuren vertragen keine Hitze. Es eignet sich prima um damit Salate anzumachen, Smoothies zu verfeinern oder Milchspeisen aufzuwerten.

Das gesunde Öl wird nicht nur als Nahrungsmittel verwendet. Es gibt sogar Kosmetikprodukte mit Leinöl und es ist ein wichtiger Bestandteil von Ölfarbe und anderen Farben. Außerdem wird es als Holzschutz- und Konservierungsmittel für Bauelemente verwendet.


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