Die Acerola ist eine der Vitamin-C-reichsten Früchte überhaupt. In Europa ist sie dennoch eher unbekannt. Nur langsam hält der kleine Vitamin-Lieferant Einzug in das westliche Ernährungsbewusstsein – zurecht, hat sie doch mit ihrem Vitamingehalt das Zeug zum Superfood voller antioxidativem Potential.


Wo und wie wächst die Acerola?

Die Acerola-Kirsche (Malpighia galbra) hat dutzende Namen und Bezeichnungen. Meist beziehen sie sich auf eines der vielen Ursprungsländer. So nennt man die gesunde Frucht auch Antillenkirsche, Puerto-Rico-Kirsche, Barbados-Kirsche oder Jamaika-Kirsche. Dabei ist sie botanisch mit der Kirsche gar nicht verwandt, sondern teilt sich nur das schmackhafte Aussehen, Farbe und Größe mit ihrem Namensgeber.

Eigentlich gehört die Steinfrucht zur Familie der Malphighiengewächse. Sie wachsen auf ein bis drei Meter hohen immergrünen Sträuchern und Bäumen, die in der Regenzeit wunderschöne, rosa-weiße Blüten treiben. Bemerkenswert ist die kurze Reifezeit. In nur 25 Tagen ist die Acerola reif und kann daher bis zu viermal jährlich geerntet werden.

Die Früchte haben einen hohen Flüssigkeitsanteil von bis zu 80 Prozent, sind deswegen ausgesprochen saftig und eignen sich gut zur Saftproduktion. Aufgebaut ist die kugelige Acerola in drei Segmente, die jeweils einen nicht sonderlich harten Kern beinhalten. Die einladend schimmernde Haut des Fruchtkörpers ist sehr dünn und empfindlich.


Geschmack, Aroma und Weiterverarbeitung

Der Geschmack einer frischen Acerola ist sehr sauer. Der Geruch des weichen, saftigen Fruchtfleischs ist mit Apfelaroma vergleichbar. Sie kann bedenkenlos roh gegessen werden, wird aber wegen des sauren Geschmacks häufiger zu Saft gepresst, zu Marmelade weiterverarbeitet oder in Kombination mit Joghurt oder Ähnlichem genossen. Dies sind neben Acerola-Pulver und anderen Extrakten auch die einzig zugänglichen Acerola-Darreichungsformen in Europa, da das frisch geerntete Obst bereits nach nur vier Tagen verdorben ist und sich daher nicht für lange Transportwege eignet.

Sein Augenmerk sollte man gerade bei verarbeiteten Acerola-Produkten auf den beigesetzten Zucker richten, mit dem der charakteristisch saure Geschmack leider häufig zu überdecken versucht wird. Als Saft, Konzentrat oder Pulver wird die Acerolakirsche hierzulande gerne dafür verwendet, andere Lebensmittel auf natürliche Weise mit Vitaminen – vor allem Vitamin C – anzureichern. Auch als Geschmacksträger für Speiseeis und Gelee ist Acerola beliebt.


Einst Maya-Heilfrucht, dann Staatsgeheimnis nun in jedem brasilianischen Gärtchen zu finden

Schon die indigen Völker Südamerikas, die Eingeborenen der Antillen und im Speziellen die Maya kannten und schätzen die Wirkung der Acerolakirsche. Mitglieder dieser untergegangenen Hochkultur konsumierten das Vitamin-C-reiche Obst schon vor tausenden von Jahren bewusst, um ihren Körper, die Abwehrkräfte und Gesundheit zu stärken. Gerade auch wegen der leicht kultivierbaren widerstandsfähigen Sträucher stand die Acerolakirsche vermutlich regelmäßig auf dem Speiseplan.

Den spanischen Eroberern haben wir den Namensteil „Kirsche“ zu verdanken. „Azarole" lässt sich grob als „hübsch und nützlich“ übersetzen. Von da an bestand für lange Zeit kein großes Interesse an der kleinen rötlichen Vitamin-C-Bombe. Erst in den späteren 40er Jahren entdeckten puerto-ricanische Wissenschaftler den exorbitant hohen Gehalt an natürlichem Vitamin C (Ascorbinsäure). In einer geheimen Aktion wurde das Saatgut nach Brasilien an eine Universität geschafft um dort weiter erforscht und gezüchtet zu werden.

Seither verbreiteten sich die Sträucher auf dem ganzen amerikanischen Kontinent. Dies wurde noch befeuert als in den 80er Jahren eine große Kampagne zur Bekanntmachung der Acerola gestartet wurde. Anbautechniken sowie die Möglichkeiten zur Weiterverarbeitung wurden genauso veranschaulicht und an die Menschen herangetragen, wie das Potential der Inhaltsstoffe und die Bedeutung gesunder Ernährung. Daraufhin breiteten sich die Sträucher in ganz Brasilien so rasant aus, dass es heute im Inland kaum ein Dörfchen oder Fleckchen gibt, an dem sich kein Acerola-Baum findet.

Auch das Interesse der Agrarindustrie war geweckt und großangelegter Anbau begann. Bis heute konzentriert sich der kommerzielle Anbau hauptsächlich auf die Herstellung von Saft aus tiefgefrorenen Acerola-Kirschen.


Gesunde Inhaltsstoffe: Die außergewöhnliche Vitamin-C-Konzentration und andere wertvolle Inhaltsstoffe

Der Vitamin-C-Gehalt einer reifen Acerola-Frucht ist ungefähr 30-mal höher als der einer Zitrone oder Orange, etwa 20-mal so hoch wie in einer Guave und sogar 100-mal so hoch wie in einer Apfelsine. Bei unreifen Exemplaren kann sich der Vitamin-C-Anteil sogar noch einmal verdoppeln. Rekordwerte von 1400-4500 mg Vitamin C stecken in 100 Gramm Frischsaft.

Mithalten können bei solchen Werten nur zwei andere Exoten: die Frucht des Camu-Camu-Strauchs aus dem Amazonas und die australische Buschpflaume. Theoretisch reichen vier kleine Acerola-Kirschen um den Vitamin-C-Bedarf eines Tages (ca. 100 mg) zu decken. Zwar geht bei der Weiterverarbeitung ein wenig Vitamin C verloren, bei der hohen Konzentration fällt dies allerdings nicht besonders ins Gewicht.

Doch nicht nur mit Vitamin C kann sie punkten. Die Acerola enthält auch große Mengen Beta-Carotin, Vitamin B1 und dutzende sekundäre Pflanzenstoffe, die freien Radikalen die Stirn bieten. Das enthaltene Vitamin C trägt zur Aufnahme von Eisen bei und ist wichtig für ein gesundes Immunsystem sowie für einen intakten Stoffwechsel.


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