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E-Nummern-Serie Teil 4: Die Zuckeraustauschstoffe

E-Nummern Zuckeraustauschstoffe - Wie gesund sind Xylit, Erythrit & Co.?

Den vierten und letzten Teil unserer E-Nummern-Serie widmen wir den Zuckeraustauschstoffen in unseren Lebensmitteln. Wir klären auf, was sich hinter den E-Nummern für Xylit, Maltitol, Erythrit und Co. verbirgt.

Dies ist der letzte Teil unserer 4-teiligen Serie „E-Nummern“:

  1. Teil 1: Farbstoffe
  2. Teil 2: Konservierungsstoffe
  3. Teil 3: Süßstoffe
  4. Teil 4: Zuckeraustauschstoffe

Zuckeraustauschstoffe

Zuckeraustauschstoffe gehören wie die Süßstoffe ebenfalls zur Gruppe der Süßungsmittel. Auch sie ersetzen Zucker. Da diese Zuckeralkohole insulinunabhängig in den Stoffwechsel gelangen, wurden sie früher oft in Diabetiker-Lebensmitteln eingesetzt. Sie sind deutlich kalorienärmer als klassischer Zucker, manche Stoffe wie Erythrit sind sogar gänzlich kalorienfrei. Oftmals werden sie in „zuckerfreien“ Bonbons und Süßigkeiten verwendet und finden mittlerweile immer öfter den Weg in süße Getränke und Fertigprodukte. Nimmt man größere Mengen dieser Zuckeralkohole auf, können sie Durchfall hervorrufen. Folgende Zuckeraustauschstoffe sind in der EU zugelassen:

E420 – Sorbit und Sorbitsirup

Sorbit ist von Natur aus in Kernobst wie Pflaumen und Äpfeln enthalten und ist schuld daran, dass manche Menschen nach dem Genuss von Äpfeln oder Apfelsaft mit Verdauungsproblemen reagieren.

Sorbit wird aber auch mit Hilfe von Enzymen aus Glucose hergestellt. Dieser als E420 bezeichnete Zuckeralkohol dient oft als Weichhaltemittel für Süßwaren und Feuchthaltemittel für Gebäck und Marzipan. Sorbit gilt als unbedenklich, ab etwa 50 Gramm pro Tag kann aber Durchfall auftreten. Außerdem leiden manche Menschen an einer Sorbitunverträglichkeit.

E421 – Mannit

Mannit kommt als Zwischenprodukt des Kohlenhydrat-Stoffwechsels in vielen Pflanzen vor. Sein Name stammt vom süßen Saft der italienischen Manna-Esche. In der Industrie wird Mannit durch Hydrierung von Fructose gewonnen und gerne in Kaugummis als Trennmittel und Füllstoff eingebaut. Wie Sorbit kann auch Mannit Blähungen und Durchfall verursachen.

Es findet neben seinem Einsatz als Zusatzstoff für Lebensmittel auch Verwendung als Abführmittel, Füllstoff, Schmiermittel und als Rohstoff zur Produktion synthetischer Harze.

E 953 – Isomalt

Um Isomalt zu erhalten, wird Zucker in Traubenzucker und Fruchtzucker gespalten und wieder „neu“ zusammengesetzt. Der dadurch entstandene Stoff ist Isomaltulose, der daraufhin mit E 949 (Wasserstoff) zu Isomalt hydriert wird.

Isomalt ist etwa halb so süß wie Zucker und maskiert den unangenehmen Beigeschmack mancher Süßstoffe. Wird Isomalt vom Körper aufgenommen, wird es nicht von den Verdauungsenzymen, sondern der Darmflora abgebaut. Ab 20 Gramm Isomalt reagiert der Körper mit Blähungen und Durchfall. Isomalt findet sich in energiereduzierten, zuckerfreien Desserts, Speiseeis, Süßwaren und Kaugummis, außerdem in Soßen und Senf.

E 965 – Maltit, Maltitol und Maltitsirup

Maltit wird aus Maisstärke gewonnen und besitzt etwa 60-90 Prozent der Süßkraft von Zucker. Es wird als Füllstoff und Zuckeraustauschstoff benutzt, ähnelt stark dem gewöhnlichen Zucker, ist jedoch hitzestabil. Im Gegensatz zu Zucker kann das wasserlösliche E965 nicht von den lebensmittelüblichen Mikroorganismen verwertet werden kann. Maltit wirkt weniger abführend als beispielsweise Sorbit. Wie Isomalt wird es in energiereduzierten, zuckerfreien Desserts, Speiseeis, Süßwaren und Kaugummis, sowie in Soßen und Senf verwendet.

E 966 – Lactit

Lactit (oder auch Lactitol, Lactobiosit oder hydrierter Milchzucker) besitzt in etwa 30-40 Prozent der Süßkraft von Zucker, weshalb es gerne in Kombination mit anderen Süßstoffen verwendet wird. Es ruft auf der Zunge einen leichten Kühleffekt hervor, bindet Wasser und senkt den Gefrierpunkt von Lebensmitteln. Außer in energiereduzierten, zuckerfreien Speisen wird Lactit auch als Trägerstoff für Süßstofftabletten sowie in Zahncremes eingesetzt.

E 967 – Xylit

Xylit (oder Xylitol) wird auch Birkenzucker genannt, da er ursprünglich aus finnischem Birkenholz gewonnen wurde. Er besitzt dieselbe Süßkraft, jedoch einen um 40 Prozent niedrigeren Brennwert wie Zucker. Heutzutage wird Xylit industriell aus Holz- und Maisabfällen, sowie Pflanzenresten (Nussschalen, Stroh) gewonnen.

Im Körper wird ein Teil des Xylits vom Dünndarm aufgenommen, der verbleibende Rest vergärt im Dickdarm. Xylit wirkt kühlend auf der Zunge und kommt in Süßigkeiten, Desserts und Milchprodukten zum Einsatz. Außerdem wird Xylit als Feuchthaltemittel für Zahnpasten und als Kalorienlieferant in Infusionslösungen benutzt. Für Xylit gibt es einige Studien, die seinen positiven Effekt auf beispielsweise den Kariesschutz dokumentieren. Wie alle Zuckeraustauschstoffe wirkt aber auch Xylit blähend und abführend. Zudem besteht der Verdacht, dass Xylit Nierensteine fördern könnte.

E 968 – Erythrit

Erythrit ist das „Schweizer Messer“ der Lebensmitteltechnologie. Es ist koch- und backfest und wird als Geschmacksverstärker, Stabilisator, Feuchthaltemittel, Verdickungsmittel, Füllstoff, Trägerstoff etc. verwendet. Die Süßkraft von Erythrit entspricht etwa 70 Prozent von Zucker.

Hergestellt wird E968 durch die Umwandlung von Traubenzucker mittels Hefepilzen. Durch seine – vor allem technologischen – Eigenschaften, findet man Erythrit in einer Vielzahl von Produkten vor, von Süßwaren und Fertigsuppen, über Likör und Milchprodukten bis hin zu Tintenfischen. Auch Trockenfrüchte und Trockengemüse können mit Erythrit hergestellt werden, da es osmotisch, also wasserentziehend, wirkt. Erythrit wird nahezu vollständig über den Dünndarm aufgenommen und über die Nieren wieder ausgeschieden. Weil E968 bei der Verdauung nicht in den Dickdarm vordringt, bläht es auch nicht und wirkt nicht abführend.

 

Zuckeraustauschstoffe sind im Gegensatz zu anderen Zusatzstoffen gesundheitlich eher unbedenklich. Was aber alle Zuckeraustauschstoffe (mit Ausnahme von Erythrit) gemein haben: Sie verursachen Blähungen und wirken abführend. Daher lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste der Lebensmittel, um nicht zu viel Zuckeraustauschstoffe am Tag aufzunehmen.

Checkliste zum Speichern und Ausdrucken

Als praktische Einkaufshilfe hat sich eine kurze Tabellenansicht bewährt. Sie können die Liste über den untenstehenden Link vergrößern, downloaden und ausdrucken.
Suessstoffe1

(Tabelle als PDF öffnen zum Speichern und Ausdrucken)

Christian John

Christian John

schreibt seit 2015 als Redakteur für LaVita. Als Kulturwissenschaftler und Anthropologe interessiert den jungen Familienvater nahezu alles, was den Menschen zum Menschen macht. Er liebt frische Luft, einsame Skitouren, Zeit mit seinen beiden Söhnen zu verbringen und gesundes Essen. Wenn er nicht für seine Familie und Freunde kocht, macht sich Christian Gedanken, wie er sein Häuschen ausbauen kann.

10 Kommentare
  1. Isabel Benker sagt

    Dieser Artikel zu den E-Nummern ist hervorragend, wie der letzte auch. Können Sie mir bitte auch den ersten Teil über Farbstoffe und den zweiten über Konservierungsstoffe schicken, da ich Ihren Newsletter noch nicht so lange erhalte.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Isabel Benker

  2. Karin Jolas sagt

    Doch sehr kurz gefasst.Ich arbeite als Fitnesstrainerin und mache in diesem Rahmen auch Ernährungsberatung und kläre eher umfassender auf.Z.B. ist bekannt das Sorbit die Darmflora negativ beeinträchtigen kann,- was gerade beim häufigen ,oft unentdecktem Leakygutsyndrom zu beachten ist.Auch die negative Wirkung von Erhydrit auf die Leber ist einen Hinweis wert.Trotzdem finde ich Ihre Serie ganz gut.Als Fachberater muss ich mich natürlich umfassender fortbilden.

  3. Schmitt sagt

    Hallo Herr John!

    Ist es möglich, auch diesen letzten Teil als PDF zu bekommen?
    Für die 3 anderen Artikel war der Link zur PDF eingestellt.
    Den 4. Artikel würde ich auch gerne so speichern.

    Herzliche Grüße,

    Yvonne Schmitt

  4. Evelyn Pusch sagt

    Hallo Herr John,

    leider gehören auch Sie zu denjenigen Personen,
    die im Bereich der Ernährung publizieren und
    noch von „Kohlehydraten“ schreiben.
    Schauen Sie sich doch einmal die chemische
    Formel an, dann können Sie sich vielleicht merken,
    dass sich der Name „Kohlenhydrate“ von Kohlenstoff ableiten und
    deshalb nichts mit „Kohle“ zu tun hat.

    • Cora Högl
      Cora Högl sagt

      Hallo Frau Pusch, in Abwesenheit von Herrn John bedanke ich mich für Ihren Hinweis! „Kohlehydrate“ scheinen eine hochansteckende Krankheit in unserer Redaktion zu sein 🙂 Wir versprechen uns zu bessern. Den Fehler haben wir natürlich ausgebessert. Herzliche Grüße, Cora Högl

    • Cora Högl
      Cora Högl sagt

      Liebe Frau Schmitt, bitte entschuldigen Sie die späte Rückmeldung! Herr John war die Tage nicht im Haus. Eine entsprechende Checkliste ist bereits in Arbeit und in Kürze verfügbar. Herzliche Grüße, Cora Högl

  5. Lothar Nathrath sagt

    Hallo, liebe Ernährungsbeater von La Vita!
    Warum bezeichnen Sie Erythrit als „gesundheitlich bedenklich“, im Text wird dagegen
    keine negative Eigenschaft angesprochen, im Gegenteil nur positive Eigenschaften
    (wird vollständig ausgeschieden als einziger Süßstoff nicht blähend).

    • Christian John
      Christian John sagt

      Hallo Herr Nathrath,
      gegen Erythrit ist – in moderaten Dosen – tatsächlich erst einmal nichts einzuwenden. Wir haben Erythrit in der Liste aber als „gesundheitlich bedenklich“ bezeichnet, da es in größeren Mengen dann doch abführend wirken kann (deshalb müssen Lebensmittel mit einem Erythrit-Anteil von mehr als 10 Prozent mit dem Hinweis „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ versehen werden. Generell sollte man versuchen, den Körper nicht mit Zuckeraustauschstoffen zu „täuschen“ und ihn daran zu gewöhnen, sondern den Zuckerverzehr generell zu senken.

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