Allgemein, Familie, Nachhaltigkeit
Kommentare 1

Gesunde Waldküche – 4 Gründe für einen Waldausflug mit Einkaufskorb

Der Wald bietet uns viele gesunde und leckere Beeren, Pilze und Kräuter.

Gehen Sie raus in den Wald anstatt rein in den Supermarkt! Denn unser Wald ist der perfekte Lieferant für gesunde Lebensmittel. Werden Sie zum Jäger und Sammler, wie es schon unsere Vorfahren getan haben und profitieren Sie von der Vielfalt, die unsere Natur zu bieten hat. Wir bieten Ihnen 4 Gründe, warum Sie noch diese Woche einen Waldausflug planen sollten.

1. Vier Stockwerke voller Genüsse

Der Begriff Stockwerk erinnert an ein Gebäude und wenn man ein Haus mit einem schönen Mischwald vergleicht, dann wären die Etagen so aufgebaut:

Erdgeschoß= Boden-/Moosschicht

Hier kommen nur 2 Prozent des Sonnenlichts von oben an, deshalb wachsen hier am besten z. B. Moose, Flechten, Pilze und Sauerklee. Alle vier Beispiele sind essbar, sind aber auch ehrlich gesagt Geschmackssache.

Moos ist jodhaltig, weshalb Sie es auch gut als Pflaster auf kleine Wunden legen können. Es schmeckt bitter. Moos sollten Sie nur in schadstoffarmen Gegenden sammeln und essen, da Moos Schadstoffe aus Luft und Niederschlag aufnehmen kann.

Flechten wurden früher oft und gerne gegessen, hier gilt jedoch: Finger weg von gelben Flechten, diese sind giftig!

Auch beim Pilze-Sammeln im Herbst ist Obacht geboten, fast jeder Speisepilz hat einen giftigen Doppelgänger. Hier bitte nur sammeln, was man eindeutig erkennt.
Beim Sauerklee gilt: Gerne sammeln, aber in Maßen genießen, dann können Sie von seinen gesunden Inhaltsstoffen profitieren. Zu viel der enthaltenen Oxalsäure sorgt jedoch dafür, dass Mineralstoffe schlechter aufgenommen werden.

Sauerklee lässt sich im Wald sehr gut sammeln.

Sauerklee wächst verbreitet in unseren Wäldern. Er eignet sich gut als Suppeneinlage oder für Salate. Zu große Mengen sollten allerdings nicht verzehrt werden.

Erster Stock= Krautschicht

Hier wachsen bis zu 1,5 Meter hoch verschiedene Blütenpflanzen, Gräser, Kräuter, Farne und unsere geliebte Blaubeere, auch Heidelbeere genannt. Sie ist ein Niedrigstrauch und die gesunden Beeren können Sie von Juni bis September ernten. Ebenso die niedrige Walderdbeere. Die kleinen roten Beeren können Sie sogar von Sommeranfang bis zum ersten Winterfrost sammeln.

Bei den Kräutern gilt es, die gesunde Brennnessel zu erwähnen. Diese ist zwar schwierig zu pflücken, liefert dafür aber jede Menge Vitamin C. Auch Löwenzahn, Spitzwegerich oder Waldmeister können Sie in der Krautschicht finden. Mehr zum Thema Wildkräuter finden Sie hier.

Zweiter Stock = Strauchschicht

Hier müssen Sie sich schon gar nicht mehr bücken, um an die Leckereien zu kommen. Zwar kommen auch hier nur 9 Prozent des Sonnenlichts an, trotzdem wachsen in Lichtungen und helleren Waldgebieten, beispielsweise an den Waldrändern, Beeren- und Nusssträucher. Ob Himbeeren, Brombeeren, Holunderbeeren, Hagebutten oder Haselnuss: Alle aufgezählten Beeren sind reichhaltige Vitamin-C-Lieferanten und auch Nüsse haben eine hohe Nährstoffdichte. Greifen Sie kräftig zu!

Dachgeschoß = Baumschicht

Das Dach des Waldes sind die dichten Baumkronen hoch oben über unseren Köpfen. Über 80 Prozent des Lichts nehmen die Blätter hier schon auf und nur ein Bruchteil kommt bis zum Waldboden an. Das macht einen Waldspaziergang auch an heißen Sommertagen so angenehm für uns. Die Kulinarik der Baumschicht hat hier besonders im Frühjahr Hochsaison, da können Sie vorsichtig junge Triebe der Nadelbäume abschneiden und die ätherischen Öle aus den Nadeln für sich nutzen. Ein Tee oder Inhalationssud aus Tannennadeln ist gerade bei Erkältungen sehr hilfreich! Abstand sollten Sie lediglich von der Eibe halten. Dieser Nadelbaum ist giftig.

Junge Fichtennadeln kann man essen.

Junge Tannennadeln schmecken sehr aromatisch und passen gut in Salate oder aufs Brot. Sie erntet man am besten im Mai.

2. Die „Wilden“ liefern mehr!

Wilde Kräuter, Beeren oder Blätter haben die Nase vorn was den Gehalt an Vitaminen, Spurenelementen oder sekundäre Pflanzenstoffe angeht. Eindeutig ein Vorteil für die Waldküche. Gegenüber unseren Kulturpflanzen besitzen sie eine deutlich höhere Konzentration an Eiweiß, Kalium, an Magnesium, Kalzium, Eisen oder Phosphor. Das kommt daher, weil unsere Kulturpflanzen so gezüchtet werden, dass sie stark gegen Witterung und Schädlinge sind und optisch gut aussehen. Doch das geht leider auf Kosten der Inhaltsstoffe. Bio-Produkte haben noch einen besseren Gehalt an Vitalstoffen, als konventionell angebaute Gemüse- und Obstsorten. Doch warum extra in den Bio-Supermarkt laufen, wenn Sie einfach in den nächsten Wald gehen können.

3. Von der Hand in den Mund – ganz ohne Verpackung

Nicht nur die zeitliche Ungebundenheit ist ein Grund für den Waldbesuch, auch das fehlende Verpackungsmaterial – meist Plastik – spricht dafür. Es reicht eine Gartenschere zum Abschneiden und ein Körbchen oder Leinensäckchen für den Transport. Toll für Ihre Gesundheit und unsere Umwelt!

Und ganz ehrlich, ist es nicht schön von den gepflückten Beeren sofort zu naschen? Bei den Supermarkt-Produkten geht leider nichts ohne gründliches Waschen in den Mund. Im Wald können Sie sicher sein, dass nichts gespritzt wurde. Dabei müssen Sie auch keine große Angst vor dem Fuchsbandwurm haben. Natürlich gibt es ihn und er ist nicht ungefährlich, aber dass ein Fuchs sein Geschäft auf Beerensträuchern verrichtet, ist äußerst unwahrscheinlich. Dass eine Ansteckung über Wildbeeren erfolgen kann, konnte bis heute nicht nachgewiesen werden. Hundebesitzer und Landwirte haben ein weit höheres Risiko, sich den Parasiten einzufangen.

4. Bewegung und frische Luft für die ganze Familie

Und wer bisher nicht von der Waldküche überzeugt ist: Ein Supermarktbesuch hat nun wirklich kein großes Gesundheitspotential, ein Besuch im Wald dagegen schon: Frische Waldluft, viel Bewegung und Spaß am Suchen und Finden. Kinder lieben es durch das Dickicht zu streunen, der Lernfaktor ist enorm hoch und jedes Kind ist stolz, wenn es etwas gefunden hat. Für Erwachsene ist es wichtig und gesund aus dem Alltag zu entweichen und die Natur und ihre Schätze wahrzunehmen.

Nehmen Sie Opa und Oma mit! Ein Waldspaziergang ist gelenkschonend, schattig und meist weiß die ältere Generation noch viel mehr über Wildkräuter, Pilze, Beeren und Co. Damit steht dem Familienausflug mit anschließendem Festmahl nichts mehr im Wege, z. B. mit einem leckeren Wildkräuter-Salat.

Sara Zeitlmann

Sara Zeitlmann

arbeitet seit 2002 als Redakteurin und liebt es die Geschichte hinter einer Geschichte zu sehen. Zu ihren Lieblingsthemen gehört dabei schon immer alles, was sich mit Gesundheit und Natur beschäftigt. Bis zur Babypause 2014 war sie weltweit fürs Fernsehen unterwegs, jetzt bleibt sie lieber in der Nähe der Familie, ihrem Kräutergarten und schreibt u. a. als Gast-Autorin für den LaVita Blog.

1 Kommentare
  1. Müller, Kathrin sagt

    Ich liebe den Wald, bin aber bis dato nicht so mit „Einkaufskorb“ hineingegangen. Ein sehr interessanter Beitrag und hat mich animiert ein Kräuterbüchlein zu suchen. Ja, man kann von der Natur lernen und diese im Alltag nutzen. Es bleibt einfach auch nur zu wenig Zeit, da man ja nicht unmittelbar am Wald wohnt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.