Allgemein, Ernährung
Kommentare 1

Spätes Essen am Abend – doch kein Dickmacher?

Spätes Essen am Abend - doch kein Dickmacher?

Morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettelmann: Am Abend noch zu essen hat einen schlechten Ruf. Aber nehmen wir tatsächlich schneller zu, wenn wir zu später Stunde noch schlemmen?

Wie machen es nur die Italiener, Franzosen oder Spanier, die oft bis in die Nacht hinein üppig speisen und dabei so schlank bleiben? Das mehrgängige Menü wird dabei begleitet von Baguette, Pasta und Wein und den krönenden Abschluss bildet nicht selten ein sahniges Dessert.

Amerikanische Forscher wollten es genauer wissen und haben die Ernährung und das Gewicht von rund 7000 Männern und Frauen analysiert. Das überraschende Ergebnis: Diejenigen, die spät am Abend noch essen, haben kein höheres Risiko für Übergewicht.

Spät essen? Kein Problem, wenn man auf die Menge achtet

Die meisten Ernährungsforscher schließen sich der Meinung an, dass es letztlich auf unsere tägliche Energiebilanz ankommt: Essen wir mehr als wir brauchen, nehmen wir zu. Essen wir weniger, nehmen wir ab.

Wer morgens und mittags nur wenig gegessen hat, darf demnach also abends kräftiger zulangen. Solange Sie nicht über Ihren Bedarf essen, wird sich das nicht auf der Waage bemerkbar machen.

Neben unserer Ernährung spielen natürlich noch weitere Faktoren eine Rolle für unser Gewicht, z. B. wie viel Sport wir treiben oder uns im Alltag bewegen.

Der beste Ratgeber: Ihr natürliches Hungergefühl

Unter Umständen kann ein spätes Abendessen natürlich schon zur Figurfalle werden. Dann ist der Grund für die Gewichtszunahme allerdings nicht der späte Zeitpunkt des Abendessens. Die Ursache ist dann vielmehr, dass wir ein wichtiges Signal überhören: den Hunger.

Ob durch ständiges Snacken oder durch einen selbst auferlegten Druck einer Diät: Viele haben verlernt auf ihr natürliches Hungergefühl zu achten. Und das ist viel wichtiger als jegliches Zählen von Kalorien.

Gehören auch Sie zu denjenigen, die versuchen den Tag über trotz knurrendem Magen zu verzichten, nur um dann abends richtig schlemmen zu dürfen? Vorsicht, dadurch kann schnell Heißhunger entstehen. Die Folge: Letztendlich essen wir mehr als wir eigentlich bräuchten und übersteigen dann leicht unseren täglichen Energiebedarf. Erst recht, wenn nach dem Abendessen noch nächtliche Snacks dazukommen.

Unser Tipp: Essen Sie tagsüber nicht zu wenig und möglichst dann wenn Sie tatsächlich Hunger verspüren. So beugen Sie Heißhungerattacken vor und verhindern, dass späte Abendmahlzeiten zu groß ausfallen. Versuchen Sie wieder mehr auf Ihr Hungergefühl zu achten und geben Sie lieber direkt nach, wenn Ihr Körper nach Energie verlangt.

Am Abend: Leichte Kost

Sie haben tagsüber einfach nicht so viel Hunger und Ihr Magen knurrt vor allem abends? Oder Sie müssen jobbedingt Ihre warme Mahlzeit auf den Abend legen? Auch wenn wir durch spätes Essen nicht grundsätzlich zunehmen, empfehlen Ernährungsexperten bestimmte Lebensmittel und Speisen lieber etwas früher und nicht direkt vor dem Zubettgehen zu essen: Vor allem viel Fett liegt manchen schwer im Magen. Auch viel rohes Gemüse, Obst oder Salat lassen uns schlechter schlafen, wenn die Verdauungsarbeit die Nachtruhe stört.

Zum Abnehmen abends besser keine Kohlenhydrate? 

Ein gesundes, leichtes und magenfreundliches warmes Abendessen wäre z. B. etwas im Ofen gedünstetes Gemüse, nach Belieben mit einem Joghurtdip, etwas Vollkornbrot oder einer kleinen Fleisch- oder Fischbeilage. Eine solch leichte und vitaminreiche Mahlzeit enthält wenig einfache Kohlenhydrate, dafür hochwertiges Eiweiß und kann nach Meinung vieler Ernährungsforscher die Fettverbrennung in der Nacht und das Abnehmen sogar fördern.

Üppiges Abendessen, spärliches Frühstück

Wer gelegentlich am Abend schlemmt, braucht nicht gleich ein schlechtes Gewissen haben. Halten Sie es wie es Südländer: So üppig das Abendessen auch ist, so spärlich sieht das Frühstück aus – ein Espresso und ein kleiner Gebäck-Happen gleichen direkt wieder aus, wenn wir zuvor über die Stränge geschlagen haben.

 


Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 4,16 von 5 Punkten, basierend auf 171 abgegebenen Stimmen.
Loading...

 


Print Friendly, PDF & Email

Dunja Rieber

ist Ernährungswissenschaftlerin und schreibt seit 2018 für den LaVita-Blog. Ihr Grundsatz für eine gesunde Ernährung: Von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Beim Kochen soll es frisch und möglichst ausgewogen sein - aber nicht zu aufwändig, denn im Alltag mit zwei kleinen Töchtern bleibt nicht viel Zeit, um lange in der Küche zu stehen.

1 Kommentare
  1. Gerhard Ochsenfeld sagt

    Ich kann mich immer wieder nur wundern, wie so genannte Wissenschaft heute neu entdecken muss, was längst altbekannt ist. Ich hatte mich schon als Schüler mit den physiologischen Grundlagen der Sportmedizin auseinandergesetzt – und weiß deshalb schon seit Mitte der 80 Jahre, dass der Körper, egal wann am Tag, stets so viel Energie aufnimmt, wie er braucht.
    Außer, man isst unausgewogen. Wobei “unausgewogen” viele Bedeutungen haben kann. Isst man z. B. zur Hauptmahlzeit und/oder zu Abend (“und”, wenn die Hauptmahlzeit abends eingenommen wird) praktisch stets über den Hunger, so macht selbst das noch nicht automatisch dick! Wenn die anderen Mahlzeiten oder auch unregelmäßigen Essenaufnahmen eher spärlich und nur knapp erhaltend sind, dann ist das “Über-den-Hunger-Essen” zur Hauptmahl nichts als ein bevorratendes Essen für die Regenerationsphase – die man am besten im Schlaf erledigt. Siehe “die Südländer”: Die machen das seit eh und je richtig…
    (Aber auch: Ja, es gibt Nahrung, die die Nachtruhe stören kann, weil sie aus verschiedenen Gründen besonders schwer zu verarbeiten ist.)
    Zugleich also ist es auch für den Körper überhaupt nicht erforderlich, einem Hungergefühl möglichst sogleich nachzukommen. Sondern, wenn man Energie deutlich über Grundbedarf benötigt, DANN sollte man dem Körper Energie umgehend anbieten. Ansonsten ist der menschliche Organismus an sich darauf ausgelegt, nicht stets und in gleichförmigem Maße mit Energie und Nährstoffen versorgt zu werden. Ausgenommen: Kinder und Jugendliche – weil sie in der Wachstumsphase sind! Wachstum ist eine physiologisch völlig andere Ausgangssituation.
    Verbraucht man mehr Energie, so kann man diese auch einholen durch energetisch höherwertiges Essen – das ist dann noch nicht unbedingt “unausgewogen”.
    In der Regel spielen psychische Hintergründe beim Übergewicht eine deutlich ausschlaggebende Rolle. Ein nur geringer Anteil der Übergewichtigen und insbesondere der Adipösen sind aus dem (Nahrungs-) Gleichgewicht geraten, weil bereits bestimmte Vorerkrankungen eine geregelte Nahrungsverwertung gestört haben. Und auch: Der Körper kann über Jahre, bisweilen gar Jahrzehnte eine fehlerhafte Ernährung tolerieren – bis dann irgendwann ein Organ aufgibt und Fehlfunktionen zu einer radikalen Fehlverwertung von Nahrung und Verfettung des Körpers führen.
    Naja, so viel an dieser Stelle nur in Kurzform…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.