TSH, T3, T4 - hier erfahren Sie die Bedeutung der Schilddrüsenwerte.

T3, T4 und TSH – was Ihre Schilddrüsenwerte bedeuten

Unter Fachleuten ist ein Werte-Streit entfacht: Ab wann sind die Schilddrüsenwerte grenzwertig, ab wann sollte man therapieren?

von Dunja Rieber

Sie haben Ihren Schilddrüsenwert beim Arzt kontrollieren lassen? Die Analyse der Werte ist leider nicht ganz einfach und auch Fachleute sind sich nicht immer einig, ab wann wirklich eine Erkrankung vorliegt. Wir haben für Sie die wichtigsten Fakten zum Thema Schilddrüsenwerte zusammengefasst.

Welche Werte gelten als normal?

Schilddrüse: Für Erwachsene gelten folgende Normwerte:

  • TSH: 0,3 – 4 mE/l
  • fT3: 3,5 – 8,0 ng/l
  • T3: 0,9 – 1,8 ng/ml
  • fT4: 0,8 – 1,8 ng/dl
  • T4: 5,5 – 11,0 μg/dl

    (Die Werte können je nach verwendeter Analysemethode im Labor unterschiedlich sein.)

Wie bei allen Blutwerten gilt auch hier: Die Normalwerte richten sich immer nach statistischen Durchschnittswerten. Es gibt jedoch immer Menschen, die zwar innerhalb des Normbereichs liegen, aber dennoch bereits Beschwerden verspüren. Andersherum heißt das aber auch: Nur weil ein Wert zu hoch oder zu niedrig ist, heißt das nicht, das es nützt ihn zu therapieren, wenn man keine Beschwerden verspürt.

TSH: Werte-Streit – Schilddrüsenunterfunktion oder nicht?

  • TSH-Wert > 2,5 mE/l: Ihr TSH-Wert liegt bei 3,8 mE/l? Neue Studien sprechen dafür, dass der Normbereich für TSH bereits 2,5 mE/l (anstatt 4 mE/l) nicht übersteigen sollte. Werte über 2,5 mE/l können demnach Hinweis auf eine latente Unterfunktion sein. Viele Ärzte plädieren dafür, Befunde zwischen 2,5 und 4 mE/l nach etwa drei Monaten kontrollieren lassen. Liegen die Werte erneut in diesem Bereich, kann bereits ein frühes Stadium der latenten Unterfunktion vorliegen.
  • TSH-Werte zw. 4 und 10 mE/l: Auf der anderen Seite muss nicht jeder Patient mit erhöhten Werten therapiert werden: Fachleute empfehlen bei TSH-Werten zwischen 4 und 10 mE/l nur dann zu behandeln, wenn Symptome vorliegen.
  • TSH-Werte > 10 mE/l sind dagegen eine sichere Indikation für die Gabe von Schilddrüsenhormonen.

Was bedeuten zu hohe TSH-Werte?

Erhöhte TSH-Werte sprechen für eine Schulddrüsen-Unterfunktion. Befinden sich zu wenig Schilddrüsenhormone (T3 und T4) in unserem Blut, wird vermehrt TSH gebildet, um damit die Schilddrüse zu mehr Arbeit anzutreiben.

Zu hohe TSH-Werte können auch eine Folge bestimmter Medikamente (z. B. Psychopharmaka oder Östrogene) sein. Neue Studien legen nahe, dass der TSH-Wert im Alter natürlicherweise etwas höher ist und daher im oberen Bereich liegen darf.

Was bedeuten zu niedrige TSH-Werte?

Zu niedrige TSH-Werte geben Hinweis auf eine Schilddrüsen-Überfunktion. Ist unsere Schilddrüse zu aktiv und lässt in unserem Blut zu viel T3 und T4 zirkulieren, wird unsere TSH-Produktion reduziert, damit die Schilddrüse ihre Tätigkeit herunterfährt.

Mögliche andere Ursachen für niedrige TSH-Werte sind Mangelernährung bzw. strenges Fasten und sie treten auch als Nebenwirkung einiger Medikamente (z. B. Glococorticoide) auf. Auch in der Schwangerschaft sind die TSH-Werte natürlicherweise etwas niedriger.

Schilddrüse – was sind T3 und T4?

T3 und T4 sind unsere Schilddrüsenhormone. Weichen ihre Werte ab, ist das ein erstes Anzeichen für eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse. Bestimmt werden die beiden Werte zusammen mit dem TSH – dem Schilddrüsen-stimulierenden Hormon – in unserem Blut.

Ein Teil unserer Schilddrüsenhormone T3 und T4 ist in unserem Blut an Eiweiße gebunden. Der andere Teil liegt frei und ungebunden vor – als freies T3 und T4, medizinisch abgekürzt als fT3 und fT4. Anhand der freien Schilddrüsenhorme fT3 und fT4 lassen sich besonders genaue Aussagen über die Schilddrüsenfunktion treffen.

Gemeinsam mit dem weiteren Schilddrüsen-Hormon TSH lassen sich Fehlfunktionen der Schilddrüse erkennen.

Was bedeuten zu niedrige Schilddrüsen-Werte?

T3 und T4 zu niedrig? Zu niedrige Werte von T3 bzw. fT3 sowie T4 bzw. fT4 deuten auf eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hin.

Das zu wenig an Hormonen lässt unseren Körper und unsere Psyche – wenn wir es mit einem Automotor vergleichen – mit zu geringer Drehzahl laufen. Irgendwann fängt der Motor an zu stottern, verliert seine Spritzigkeit und wird träge.

Was bedeuten zu hohe Schilddrüsen-Werte?

T3 und T4 zu hoch? Erhöhte Werte von T3 bzw. fT3 sowie T4 bzw. fT4 sind ein Hinweis auf eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose).

Vereinfacht gesprochen wirkt unsere Schilddrüse wie das Gaspedal unseres Stoffwechsels. Das zu viel an Schilddrüsenhormonen lässt Körper und Seele übertourig laufen.

Grenzwertige Schilddrüsenwerte – was tun?

Bei unseren Schilddrüsenwerten sind Schwankungen in Abhängigkeit von Tageszeit und Jahreszeit nicht unüblich. Einzelwerte sind daher selten aussagekräftig. Gerade wenn Ihre Werte im Grenzbereich liegen, kann es ratsam sein eine zweite Meinung einzuholen, evtl. bei einem Facharzt für Hormone, einem Endokrinologen. Besteht Unklarheit können weitere Schilddrüsenwerte wie die TPO-Antikörper (TPO-AK) bestimmt werden, die dem Arzt ergänzende Hinweise auf eine Hashimoto-Thyreoiditis oder andere Fehlfunktionen der Schilddrüse geben. Der Nachweis von TSH-R-AK spricht für einen Morbus Basedow als Ursache der Überfunktion.

Krank oder nicht – latente Störungen

Latent beudeutet, dass die Schilddrüsenwerte T3 und T4 im Normbereich liegen, der TSH-Wert jedoch außerhalb der Referenzwerte. Hormon-Spezialisten diskutieren, ob latente Störungen behandelt werden sollten. Vor allem Diabetiker profitieren anscheinend von einer Behandlung, aber auch bei ungeklärten Beschwerden können testweise niedrig dosierte Schilddrüsenhormone verabreicht werden.

Schilddrüse – so funktioniert das kleine Organ: Unsere gesunde Schilddrüse bildet am Tag 10-50 Mikrogramm T3 und 80-100 Mikrogramm T4. Wann und in welcher Menge die Hormone ausgeschüttet werden, steuert unser Gehirn, genauer die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse). Unsere Hypophyse im Gehirn ist quasi die Steuerzentrale der Schilddrüse. Um unsere Schilddrüse zur Hormonbildung anzuregen, schickt sie einen Boten: Das TSH – das Schilddrüsen-stimulierende Hormon.

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Dunja Rieber

ist Ernährungswissenschaftlerin und schreibt seit 2018 für den LaVita-Blog. Ihr Grundsatz für eine gesunde Ernährung: Von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Beim Kochen soll es frisch und möglichst ausgewogen sein - aber nicht zu aufwändig, denn im Alltag mit zwei kleinen Töchtern bleibt nicht viel Zeit, um lange in der Küche zu stehen.

2 Kommentare

  • Peter Pichler

    Hallo Frau Dunja Rieber,

    ein sehr interessanter und informatiefer Beitrag, soweit ich das als Leie beurteilen kann.
    Mich würde interessieren welche Schilddrüsenwerte stimmen nicht, wenn heisse Konten in der Schilddrüse entstehen?
    Welche Parameter verursachen Ihrer Meinung nach kalte Knoten?
    Freue mich schon, auf Ihre ausführlichen Antworten

    Mit freundlichen Grüßen
    Peter Pichler

    • Dunja Rieber
      Dunja Rieber

      Sehr geehrter Herr Pichler,

      Manche, jedoch nicht alle “heißen” Knoten produzieren eigenständig Schilddrüsenhormone, was zu einer Überfunktion der Schilddrüse mit entsprechend charakteristischen Werten (siehe Artikel) führen kann. Knoten, die aus nicht funktionierendem Schilddrüsengewebe bestehen, werden als “kalte” Knoten bezeichnet. Kalte Knoten gehen in der Regel mit normalen Schilddrüsenwerten einher.
      Viele Grüße,
      Dunja Rieber

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