DIe Ernährung ist ein wichtiger Teil der Therapie bei Rheuma.

Rheuma: Richtig essen, weniger Schmerzen

Die richtige Ernährung ist laut Rheuma-Liga ein wichtiger Teil der Therapie um Entzündungen zu lindern. Was Sie bei Rheuma essen sollten.

von Dunja Rieber

Das Krankheitsbild rheumatischer Krankheiten ist vielfältig, aber egal ob bei Fibromyalgie, Morbus Bechterew oder rheumatoider Arthritis: Ursache sind immer wiederkehrende chronische Entzündungsschübe, die unsere Wirbelsäule oder unsere Gelenke befallen.

Schmerzen, Schwellung und Überwärmung – die Ernährung kann helfen, diese Entzündungen zu lindern. Prof. Olaf Adam, langjähriger Leiter der ernährungsmedizinischen Abteilung der LMU München, erklärt welche Nährstoffe dabei eine besondere Rolle spielen und gibt hilfreiche Ernährungs-Tipps:

  • Patienten mit Rheuma haben oft einen höheren Bedarf an Nährstoffen als Gesunde. Sie sollten laut Prof. Adam besonders darauf achten, ihre Ernährung so zu gestalten, dass der vermehrte Bedarf an Vitaminen und Spurenelementen gedeckt wird.
  • Entzündungen steigern den Nährstoffbedarf: Entzündungen im Körper gehen immer mit der Bildung großer Mengen an Sauerstoffradikalen einher. Antioxidantien sollten diese schädlichen freien Radikale neutralisieren, um weitere Schäden an Knorpel und Knochen zu vermeiden. Antioxidantien sind z. B. Vitamin C und E sowie die Spurenelemente Selen und Zink. Laut Prof. Adam zeigen eine Vielzahl von Studien, dass diese Nährstoffe bei Rheuma-Patienten im Defizit liegen. Wer ausgewogen und vollwertig isst, nimmt laut Prof. Adam etwa 19 Milligramm Vitamin E und 50 Mikrogramm Selen zu sich. Nach seinen Erfahrungen, wären jedoch 100 Milligramm Vitamin E pro Tag optimal, um den Blutspiegel von Rheumatikern in den wünschenswerten Bereich anzuheben. Bei Selen könnten 50 bis 100 Mikrogramm den Mehrbedarf decken. Aber: Die Gabe von extrem hohen Einzeldosen in Pillenform zeigte in der Rheuma-Therapie keinen positiven Effekt. Fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag enthalten viele Antioxidantien sowie weitere Vitamine, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe.
  • Seit einigen Jahren entdecken Mediziner, dass Vitamin D mehr kann als bisher angenommen. Aktuelle Forschungsergebnisse lassen laut Prof. Adam einen positiven Einfluss bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen vermuten. Doch wie bei Antioxidantien gilt auch hier: Zu viel ist zu viel – extreme Einzelgaben an Vitamin D hatten keinen positiven Einfluss auf die Gesundheit.
  • Bei rheumatischen Krankheiten spielt Folsäure eine besondere Rolle. Laut Prof. Adam erkranken Patienten doppelt so häufig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Gesunde. Das Homocystein in unserem Blut ist hierfür ein Risikofaktor und Folsäure trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei. Prof. Adam rät vor allem älteren Menschen dazu, ihren Folsäurespiegel im Blut messen zu lassen.
  • Osteoporose ist nicht selten eine Folge entzündlich rheumatischer Erkrankungen. Neben Vitamin D, das zur Erhaltung normaler Knochen beiträgt, spielt dabei auch Vitamin C eine Rolle. Denn es begünstigt eine normale Kollagenbildung für eine normale Funktion der Knochen. Auch Zink und Mangan sind für die Knochengesundheit unentbehrlich.

Alle Empfehlungen der Rheuma-Liga können Sie hier nachlesen.

Entzündungshemmende Ernährung

Sowohl die Rheuma-Liga als auch die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) empfehlen bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen eine pflanzenbetonte gesunde Ernährung mit viel Gemüse, etwas Obst und Vollkorn.

Kommt es zu einer dauerhaft gesteigerten Entzündungsreaktion, bildet unser Körper vermehrt Entzündungsstoffe, so genannte Cytokine und Eicosanoide. Das Gute: Mit unserer Ernährung können wir zumindest teilweise beeinflussen, wie viele der Entzündungsstoffe in unserem Stoffwechsel entstehen:

  • Die nur in tierischen Fetten wie Fleisch enthaltene Arachidonsäure (eine Omega-6-Fettsäure) ist ein Ausgangsstoff für die ungünstigen Eicosanoide (Entzündungsstoffe) – wir sollten möglichst wenig davon essen. Außerdem: Verwenden Sie lieber fettarme Milch.
  • Omega-3-Fettsäuren z. B. aus Leinöl und fettem Fisch „verdrängen“ die Arachidonsäure – mind. 2 Portionen Makrele, Lachs und Hering sind empfehlenswert. Verwenden Sie außerdem regelmäßig Raps- und Leinöl, die nicht nur reich an Omega-3 sind, sondern auch eine wichtige Quelle für Vitamin E sind.

Der klinische Nutzen der „guten“ Omega-3-Fettsäuren gilt als sicher. Sogar die Menge der täglich eingenommen der Antirheumatika konnte dadurch gesenkt werden (Galarraga, 2008).

Unser Tipp: Wenn Sie Ihre Zufuhr an Arachidonsäure reduzieren möchten, achten Sie darauf, dass diese Lebensmittel nicht mehr als 2-mal pro Woche auf Ihrem Speiseplan stehen:

  • Schweineschmalz (1700 mg/100 g)
  • Schweineleber (870 mg/100 g)
  • Eigelb (300 mg/100 g)
  • Leberwurst (230 mg/100 g)
  • Fleisch, vor allem Schweinefleisch, Rindfleisch, Kalb (53-120 mg/100 g)

Gibt es eine Rheuma-Diät?

Trotz der Erfolge, die durch eine besondere Ernährungsweise (bzw. Diät) erzielt werden können, bitte nicht vergessen: Verzichten Sie nicht bzw. nur in Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt auf Ihre Behandlung mit Medikamenten.

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Dunja Rieber

ist Ernährungswissenschaftlerin und schreibt seit 2018 für den LaVita-Blog. Ihr Grundsatz für eine gesunde Ernährung: Von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Beim Kochen soll es frisch und möglichst ausgewogen sein - aber nicht zu aufwändig, denn im Alltag mit zwei kleinen Töchtern bleibt nicht viel Zeit, um lange in der Küche zu stehen.

2 Kommentare

  • Uta Eggert

    Ich bin immer wieder begeistert, wie informativ Ihre Artikel sind! Sehr gern lese ich diese. Auf das Wichtigste zusammengefasst-
    Viele Grüße
    Uta aus Bosau

  • Maria Deelmann

    Fibromyalgie gehört NICHT zu den rheumatischen Erkrankungen. Fibromyalgie ist eine neurologische Erkrankung der Schmerzwahrnehmung und Schmerzverarbeitung. Ich bin selbst betroffen.
    Zusätzlich habe ich “leichte” Rheuma-Symptome wie Schmerzen in den Finger- Ellenbogen- und Schultergelenken. Meine beste Heilmethode ist das Heilfasten. Bereits nach 5 Tagen sind die Schmerzen nahezu verschwunden. Ich faste zwei Mal im Jahr.
    Die Empfehlungen der DGE kann ich nicht weiterempfehlen; dieses Institut ist nicht auf dem neuesten Stand aller Ergebnisse. Siehe hierzu: https://www.swr.de/unternehmen/kommunikation/dokumentation-swr-doku-ueber-die-furcht-vor-der-fehlernaehrung/-/id=10563098/did=22544702/nid=10563098/198p8uv/index.html

    Zum Thema Rapsöl möchte ich empfehlen, hier noch einmal einzusteigen. Dieses Öl ist kein Lebensmittel, es ist das Ergebnis von bewußt gesteuerten Maßnahmen, ein Massenprodukt, was eigentlich für den Bio-Treibstoff gedacht war – und früher “in den Traktor” kam – den Menschen zuzuführen. Die blühenden Rapsfelder verursachen jeden Sommer für ungezählte Menschen eine allergische Reaktion.

    Milch, wie sie in ihrer komplett veränderten Form angeboten wird, sollte KEIN Mensch mehr zu sich nehmen. Ausschließlich völlig unbehandelte Milch ist dem Menschen zuträglich. Die Frage, ob Erwachsene überhaupt Milch brauchen, ist m.E. gerechtfertigt.

    Ihre Empfehlung zum Fischverzehr sei gut gemeint, ist jedoch seit Jahren eine Illusion.

    Ich selbst nehme seit kurzem Ihr La Vita-Konzentrat und erhoffe mir eine Linderung der Symptome der Fibromyalgie. Falls Sie Interesse an einem späteren Feedback haben, so lassen Sie es mich wissen.

    Ich bin keine Ernährungswissenschaftlerin, keine Ernährungsberaterin, ich bin seit 40 Jahren eine sich stets ausbildende Lehrköchin, Slow Food-Aktivistin und habe die erste private Kochschule in Deutschland über 14 Jahre geleitet.

    Auf Ihre Beiträge bin ich weiterhin mit großem Interesse gespannt.

    Maria Deelmann

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