Mikroplastik: Es steckt in Zahnpasta, Peelings und sogar in Honig und unserer Atemluft.

Nicht nur in Kosmetik: Wo Mikroplastik im Alltag lauert

Nicht nur Muscheln und Kosmetik, sogar Honig enthält Mikroplastik. Bisher völlig unterschätzt ist auch das Mikroplastik, das in der Luft schwebt. Es sammelt sich im Staub und stammt z. B. aus Pullover-Fasern und Teppichen. Erschreckend: Untersuchungen zeigen, dass wir darüber deutlich mehr Plastik aufnehmen als über belastete Lebensmittel. Wir haben die wichtigsten Fakten für Sie zusammengestellt.

von Dunja Rieber

  • Mikroplastik in unseren Meeren wird immer mehr zum Problem. Fische fressen es und so gelangt es auch in unseren Darm.
  • Sogar in Honig und Zucker wurden Plastikteilchen nachgewiesen. Auch Meersalz kann Mikroplastik enthalten.
  • Bisher unbeachtet: Auch unsere Atemluft kann große Mengen an Mikroplastik enthalten. Nach Berechnungen nehmen wir dadurch rund 13-mal mehr Plastik auf als Personen, die sehr viel Fisch essen.

Was ist Mikroplastik?

Der Bund für Naturschutz Deutschland definiert Mikroplastik als Kunstoff-Partikel, die kleiner als 5 mm und größer als 1 Mikrometer sind. Das können Kügelchen oder Fasern sein. Partikel, die kleiner als 1 Mikrometer sind, bezeichnet man als Nanoplastik.

Woher stammt Mikroplastik?

Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Mikroplastik, die auf unterschiedliche Wege in unsere Umwelt und unsere Meere gelangen.

Industriell hergestelltes primäres Mikroplastik wird für Peelings, Zahnpasta und andere Kosmetikprodukte verwendet. Die Produkte gelangen in unseren Abfluss und damit auch ins Abwasser. Kläranlagen reinigen das Wasser zwar, aber sehr kleine Partikel können nicht vollständig herausgefiltert werden – und gelangen so in unsere Umwelt.

Sekundäres Mikroplastik ensteht bei der Zerstezung von Plastikmüll in unseren Gewässern. Millionen Tonnen von Müll verschmutzen unsere Meere. Tüten, Plastiknetze und Kunststoffflaschen zerfallen in immer kleinere Plastik-Teilchen. Weil Kunstoffe sehr haltbar sind, verschwinden sie nie komplett, sondern werden durch UV-Strahlung, Wasserbewegungen etc. lediglich immer kleiner. Mit der Zeit enstehen so große Mengen von Mikroplastik. Ein weiteres Problem stellt der Abrieb von Autoreifen dar.

In welchen Lebensmitteln ist Mikroplastik enthalten?

Wer Fisch isst, isst meist auch Mikroplastik mit. Kein Wunder, wenn im Lebensraum der Meeresbewohner so viel davon herumtreibt. Vor allem Fischarten, die im Ganzen – also mit Mgen und Darm – verzehrt werden, enthalten Mikroplastik, z. B. Krabben, Sprotten und Muscheln. Fischarten, die in oberen Meeresschichten leben und an der Oberfläche Futter suchen, fressen ebenfalls viel Plastik mit. Makrelen nehmen daher deutlich mehr Plastik auf als z. B. Heringe oder Flundern, die am Meeresgrund leben. Bei Fischen essen wir zwar deren Darm nicht mit – es gibt jedoch noch keine Erkenntnisse, inwieweit Partikel ins Muskelfleisch übergehen.

Auch das besonders teure Fleur de Sel – ein handgeschöpftes Meersalz – kann Plastikteilchen enthalten. Der Grund: Es wird ebenfalls an der Wasseroberfläche abgeschöpft – dort wo besonders viel Plastik schwimmt.

Wie kommt Plastik in den Honig?

Sogar in Honig wurde Mikroplastik nachgewiesen. Forscher gehen davon aus, dass diese Partikel sich über die Luft verteilen und auf die Blüten niederschlagen. Eine Verunreinigung beim Hersteller ist ebenfalls nicht auszuschließen. Auch in Zucker wurden schon Plastikteilchen gefunden. Doch wie kommt das Plastik dort hinein?

Unsere Luft enthält mehr Plastik als Lebensmittel

Was bei der Diskusion um das Thema Mikroplastik oft vergessen wird: Plastikteilchen schweben auch in unserer Luft. So lässt sich auch erklären, warum Zucker und Honig Mikroplastik enthalten. Dabei handelt es sich vor allem um Partikel, die aus unseren Kunstfasertextilien stammen. Die Fasern lösen sich, schweben durch die Luft und sammeln sich im Staub. Forscher fanden heraus, dass sich über unsere Umgebungsluft sogar mehr Mikroplastik auf unseren selbst gekochten Speisen sammelt als wir über eine Mahlzeit belastete Muscheln aufnehmen.  Wir nehmen dadurch rund 13-mal mehr Plastik auf als Personen, die sehr viel Fisch essen!  Die Ergebnisse der Studie können Sie hier nachlesen.

In welcher Kosmetik ist Mikroplastik enthalten?

Mikroplastik ist eine unsichtbare Gefahr. Denn es ist nicht auf den ersten Blick sichtbar, wo Mikroplastik drin steckt. Die synthetischen Polymere werden gerne Kosmetik als Schleifmittel zugesetzt und sollen unsere Haut und unsere Zähne glatt “schmirgeln”. Häufig kommt Mikroplastik daher in Peelings, Duschgel und Zahnpasta, aber auch Make-up vor. Auch manche Putzmittel wie Glaskeramikreiniger enthalten die Plastikpartikel.

So erkennen Sie, ob Kosmetika Mikroplastik enthält:

Wenn Sie die Fachbegriffe kennen, verrät Ihnen ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe, ob die kleinen Kunststoffteilchen enthalten sind:

Mikroplastik verbirgt sich u. a. hinter diesen Begriffen:
Polyethylen (PE)
Polypropylen (PP)
Polyethylenterephthalat (PET)
Nylon-12
Nylon-6
Polyurethan (PUR)
Acrylates Copolymer (AC)
Acrylates Crosspolymer (ACS)
Polyacrylat (PA)
Polymethylmethacrylat (PMMA)
Polystyren (PS)

Unser Tipp: Zertifizierte Bio-Kosmetik ist grundsätzlich frei von Mikroplastik. Sie verwenden gerne Peelings? Aus Olivenöl und Zucker bzw. Salz lassen sie sich schnell und einfach selber herstellen.

Wie gefährlich ist Mikroplastik?

Zu den gesundheitlichen Wirkungen auf den Menschen weiß man bislang wenig. Während für Kosmetika zwar künstliche, aber immerhin von Schadstoffen freie Kunststoffe verwendet werden, fressen Fische auch giftige oder mit Weichmachern belastete Kunststoffe mit. Über die Nahrungskette gelangen die Teilchen vom Tier in unseren Körper. Ein erster Schritt in Richtung Risikoabschätzung: Kürzlich wurde erstmals Mikroplastik im menschlichen Magen-Darm-Trakt nachgewiesen. Gleich neun unterschiedliche Arten Kunststoff wurden in uns gefunden! In Tieren wurde bereits öfter Mikroplastik nachgewiesen und es gibt Hinweise darauf, dass die Teilchen Entzündungsreaktionen begünstigen oder den Magen-Darm-Trakt schädigen können. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält es derzeit dennoch für unmöglich abzuschätzen, wie groß die Auswirkungen auf unsere Gesundheit tatsächlich sind. Erste Untersuchungen lassen jedoch vermuten, dass Mikroplastik bzw. Nanoplastik sich in oder zwischen unseren Zellen einlagern kann – eine erschreckende Vorstellung!

Kunstoffe vermeiden ist daher die beste Strategie. Natürlich können wir Kunstoffe und Kunststofftextilien nicht vollständig meiden. Aber wir können versuchen so wenig wie möglich davon zu konsumieren. Jeder kann etwas dazu beitragen!


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Dunja Rieber

ist Ernährungswissenschaftlerin und schreibt seit 2018 für den LaVita-Blog. Ihr Grundsatz für eine gesunde Ernährung: Von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Beim Kochen soll es frisch und möglichst ausgewogen sein - aber nicht zu aufwändig, denn im Alltag mit zwei kleinen Töchtern bleibt nicht viel Zeit, um lange in der Küche zu stehen.

1 Kommentar

  • Prof. Dr. Theodor Hoffjann

    Sehr geehrte Frau Dunja Rieber,

    herzlichen Dank für Ihre aufklärenden Hinweise! Es ist schon erstaunlich, dass unsere vereidigten Minister diesbezüglich so wenig für unsere Mitmenschen tun; -einfach nicht nachvollziehbar!

    Mit besten Grüßen
    Td. Hoffjann

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