Mesonährstoffe: Was ist das eigentlich und sind sie wichtig für unsere Ernährung?

Vitamine und Spurenelemente sind ein Grund, möglichst häufig Gemüse und Obst zu essen. Doch um gesund zu sein, brauchen wir noch eine weitere Komponente, der Forscher seit einigen Jahren auf der Spur sind. Wir verraten Ihnen, was hinter den "Mesonährstoffen" steckt.
von Dunja Rieber

In den Köpfen vieler Menschen gelten vor allem Vitamine und Spurenelemente als gesund. Und das sind sie auch. Doch Wissenschaftler haben schon vor einiger Zeit eine weitere Komponente gefunden, die für unsere Gesundheit einen ebenso wichtigen Beitrag leistet: Die sogenannten bioaktiven Substanzen, die neuerdings von einigen Medizinern auch als Mesonährstoffe bezeichnet werden. Doch keine Sorge, Sie haben keine neue Ernährungs-Mode verpasst! Trotz der neuen Bezeichnung ist schon seit längerem bekannt, wie wichtig sie für unsere Gesundheit sind.

Mesonährstoffe? Mikronährstoffe? Makronährstoffe?

Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße bezeichnet man als Makronährstoffe. Sie sind die Grundlage unserer Ernährung und liefern uns Energie, um unseren Stoffwechsel aufrecht zu halten.
Als Mikronährstoffe bezeichnet man Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Sie steuern unsere Stoffwechselvorgänge und wir müssen sie – wie die Makronährstoffe auch – über die Nahrung aufnehmen. Mesonährstoffe sind jedoch nicht dazwischen anzusiedeln, auch wenn es der Begriff vermuten lässt.

Was sind Mesonährstoffe?

„Mesonährstoffe“ sind eine andere Bezeichnung für bioaktive Substanzen in Lebensmitteln, zu denen sekundäre Pflanzenstoffe, aber auch Ballaststoffe sowie Stoffe in fermentierten Lebensmitteln zählen. Vor allem im englischsprachigen Raum sprechen Mediziner auch von den „aktiven Komponenten“ (engl. active components) in unseren Lebensmitteln. Aktiv deshalb, weil sie, ebenso wie Vitamine und Spurenelemente, mit unserem Körper in Wechselwirkung treten und damit eine bestimmte Wirkung auf unsere Gesundheit entfalten. „Mesonährstoffe“ – ein neuer Trend? Definitiv nicht, denn es handelt sich dabei um Substanzen, die wir seit Jahren kennen. Weil zu dieser Gruppe jedoch mehrere Tausend Substanzen zählen und immer weitere Pflanzenstoffe entdeckt werden, gibt es noch enormen Forschungsbedarf.

Welche Lebensmittel enthalten bioaktive Substanzen bzw. „Mesonährstoffe“?

  • Bioaktive Substanzen stecken ausschließlich in pflanzlichen Lebensmitteln. Neben Gemüse und Obst enthalten Kräuter und Gewürze besonders hohe Mengen. Vielen bekannt sind Allicin aus Knoblauch, Lycopin aus Tomaten, Anthocyane aus Blaubeeren und Sulforaphan aus Brokkoli. Auch die Terpene aus Löwenzahn zählen dazu. Mediziner weltweit setzen große Hoffnung in diese Pflanzenstoffe.
  • Besonders viele der bioaktiven Substanzen sind in regionalem Obst und Gemüse enthalten, das vor der Ernte ausreifen konnte und im Gegensatz zum industriellen „Turbo-Gemüse“ nicht schnell hochgezüchtet wurde.
  • Sie sitzen vor allem direkt unter der Schale bzw. in den äußeren Blättern. Wenn möglich, essen Sie die Schale daher am besten mit, z. B. bei Äpfeln, Möhren und Birnen.

Unser Tipp: Nur im natürlichen Lebensmittel werden den bioaktiven Substanzen gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben. Für isolierte Substanzen gilt dies nicht. Denn nicht ein einzelner Stoff – schon gar nicht hochdosiert – kann der Schlüssel zu unserer Gesundheit sein: Es ist die Vielfalt an allen natürlichen Stoffen in ihrer natürlichen Umgebung. Ein Beispiel: Kurkumin gilt als gesunde Komponente der Kurkumawurzel. Forscher untersuchten, wie gut isoliertes Kurkumin im Reagenzglas gegen entartete Zellen wirkt. Das Ergebnis: Die natürliche Vielfalt der Inhaltsstoffe in der Kurkumawurzel übertraf die positiven Erwartungen der Forscher sogar noch.

Auch wenn Forscher weltweit auf der Suche nach dem Geheimnis einer gesunden Ernährung sind: Wenn wir ausgewogen und pflanzenbetont essen, industriell erzeugte Produkte meiden und möglichst häufig mit frischen, regionalen und saisonalen Zutaten kochen, ist gesund essen ganz einfach!


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Foto: shutterstock_405939037_Von-leonori


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Dunja Rieber

ist Ernährungswissenschaftlerin und schreibt seit 2018 für den LaVita-Blog. Ihr Grundsatz für eine gesunde Ernährung: Von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Beim Kochen soll es frisch und möglichst ausgewogen sein - aber nicht zu aufwändig, denn im Alltag mit zwei kleinen Töchtern bleibt nicht viel Zeit, um lange in der Küche zu stehen.

4 Kommentare

  • Ingeborg Nentwig

    Ich danke Ihnen für Ihren Beitrag. Sie haben in allen Teilen recht.
    Ich komme vom Lande und bin sehr oft auf dem landwirtschaftlichen Betrieb meiner

    Großmutter gewesen. dort wurde es gelebt. Frische Kräuter,frisches Gemüse, Fleisch und Fett in Maßen und viel Obst. Ich bin jetzt 86 Jahre alt und fühle mich immer noch fit.
    Danke

  • Hannelore Rentsch-Millin

    Der Artikel ist sehr interessant. Was den Löwenzahn anbetrifft, könnte man sich mal eine Flasche Löwenzahnsaft aus dem Reformhaus holen.

  • Penka Donnert, Heilpraktikerin

    Danke für den tollen Artikel! Ich habe eine Frage noch dazu: ist der Begriff Mesonährstoffe ein Synonym für sekundäre Pflanzenstoffe?
    Vielen herzlichen Dank im Voraus!

    • Dunja Rieber
      Dunja Rieber

      Hallo Frau Donnert,
      so ist es. Mesonährstoffe sind im Grunde genommen nichts anderes als sekundäre Pflanzenstoffe.
      Herzliche Grüße,
      Dunja Rieber

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