Maissirup - so schädlich ist der billige Industriesirup

Von wegen zuckerfrei – was Sie über den versteckten Zucker Maissirup wissen sollten

Dass Haushaltszucker ungesund ist, weiß jeder. Doch noch gefährlicher für uns ist der in den USA so beliebte Maissirup, der auch den Namen Isoglucose trägt. Der billige Sirup steckt auch bei uns in immer mehr Lebensmitteln. Wir klären auf, worauf Sie jetzt beim Einkauf achten sollten.

von Dunja Rieber

  • Maissirup ist ein billiger Rohstoff. Man findet ihn immer häufiger auf der Zutatenliste von Fertiglebensmitteln.
  • Die billige Industriesüße enthält konzentrierte Mengen an Fruktose. Zu viel industriell hergestellte, künstliche Fruktose kann zu gesundheitlichen Problemen führen.
  • Auf der Zutatenliste hat Maissirup viele Namen: z. B. High Fructose Corn Syrup, Glukosesirup oder Fruktose-Glukose-Sirup.

Maissirup klingt nach Mais und Natur – doch die Wahrheit sieht anders aus. In Deutschland und Europa war der Einsatz des Zuckerkonzentrats bis Oktober 2017 stark reglementiert. Der Zusatz durfte maximal 5 Prozent eines Lebensmittels ausmachen. Seit kurzem dürfen Hersteller so viel davon zusetzen, wie sie wollen. Und das tun sie auch, schließlich ist der Zucker billiger als Haushaltszucker, hat eine höhere Süßkraft und macht Lebensmittel haltbarer. Aber für unsere Gesundheit kann das negative Folgen haben.

Achtung beim Einkauf: Kaum ein Produkt ohne Maissirup

In den Vereinigten Staaten wird so gut wie kein Softdrink ohne die Süße aus Mais hergestellt. Und auch wer hierzulande durch den Supermarkt geht, entdeckt zuhauf Produkte mit der billigen Industriesüße: Müsliriegel, Joghurt, Bonbons, süße Getränke, Obstkonserven, Marmelade, Eiscreme, Gebäck, Brot und Backwaren, Fertigsoßen und Fertiggerichte. Doch um herauszufinden, ob der Zuckerersatz als Süßungsmittel verwendet wurde, hilft nur der genaue Blick auf die Zutatenliste.

Gut zu wissen: Viele Hersteller tauschen den Haushaltszucker gegen den billigeren und gesünder klingenden Maissirup aus. Isoglucose ist ein Sammelbegriff für den Industriesirup. Je nach Zusammensetzung trägt er unterschiedliche Namen. Auf der Zutatenliste finden Sie ihn daher unter verschiedensten Bezeichnungen:

  • Glukosesirup (bis zu 5 % Fruktose)
  • Glucose-Fructose-Sirup (bis zu 50 % Fruktose)
  • Fructose-Glucose-Sirup (über 50 % Fruktose)
  • Fruktosesirup (bis zu 5 % Glucose)
  • Isomeratzucker
  • Corn Sirup
  • HFCS (High fructose corn sirup)
  • Bonbonsirup
  • Maissirup / Maiszucker
  • Stärkesirup

Warum ist der Sirup so gefährlich?

Die künstliche Süße wirkt in unserem Körper schädlicher, als normaler, natürlicher Haushaltszucker. Der hohe Konsum von Maissirup könnte eine Ursache für die weitverbreitete Fettleibigkeit in den USA sein, vermuten Forscher. In einer Studie bekamen Mäuse über mehrere Monate zusätzlich zu ihrer sonstigen Nahrung entweder normalen Zucker, oder das billige Zuckerkonzentrat. Das Ergebnis: Die Sterberate der Maissirup-Gruppe war doppelt so hoch und weibliche Mäuse bekamen rund ein Viertel weniger Nachwuchs (J Nutr. 2015 Mar; 145(3): 434–441).

Zur Herstellung von Maissirup wird pflanzliche Stärke, die aus gentechnisch verändertem Mais stammen kann, mithilfe von Enzymen chemisch umgebaut. Dabei setzt die Industrie vor allem auf Sirup mit einem möglichst hohen Fructoseanteil. Denn je mehr isolierte Fructose das Produkt enthält, umso stärker ist die Süßkraft. Doch die unnatürlich starke Süße lässt unser Geschmacksempfinden abstumpfen. Mit der Zeit wählen wir immer süßere Lebensmittel – ein Teufelskreis.

Warum Obst nicht mit billiger Fruchtsüße zu vergleichen ist

Enthalten nicht auch Früchte Fruchtzucker bzw. Fructose? Schon, allerdings immer in Verbindung mit vielen wertvollen Nährstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen, die die Aufnahme und Wirkung des Fruchtzuckers verzögern, eindämpfen und die sättigen anstatt Heißhunger auszulösen. Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse weisen darauf hin, dass gerade die industriell hergestellte Fructose – im Gegensatz zum natürlich enthaltenen Fruchtzucker in Obst – für die Gesundheit problematisch ist.

Kritisch ist die isolierte, konzentrierte Fructose

Maissirup ist ein reines Industrieprodukt und besteht teilweise zu über 90 Prozent aus isolierter Fructose. Diese wird unbegrenzt in die Leber aufgenommen und dort als Fett abgespeichert. Das überfordert unsere Leber und kann z. B. eine Fettleber und erhöhte Blutfettwerte begünstigen.

Unser Tipp: Sie schützen sich vor den negativen Folgen des Industriesirups, wenn Sie bei gesüßten Lebensmitteln wie z. B. Getränken, Fruchtjoghurts und Trinkjoghurts sowie Müsliriegeln und Frühstücksflocken die Zutatenliste prüfen und diese Produkte ggf. im Regal stehen lassen.

Es fällt Ihnen schwer im Alltag auf gesüßte Produkte zu verzichten? Hier haben wir für Sie 8 Tipps gegen das süße Verlangen zusammengefasst.


Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 4,71 von 5 Punkten basierend auf 58 abgegebenen Stimmen.
Loading...

 


Print Friendly, PDF & Email

Dunja Rieber

ist Ernährungswissenschaftlerin und schreibt seit 2018 für den LaVita-Blog. Ihr Grundsatz für eine gesunde Ernährung: Von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Beim Kochen soll es frisch und möglichst ausgewogen sein - aber nicht zu aufwändig, denn im Alltag mit zwei kleinen Töchtern bleibt nicht viel Zeit, um lange in der Küche zu stehen.

2 Kommentare

  • Wertvolle Lebensmittel

    Davon lese ich hier zum ersten Mal!!! Vielen Dank für die Aufklärung. Ich will mich gesund ernähren und kaufe Jogurt und da ist so viel Zucker drin. Unverschämt, dass die Bundesregierung den Herstellern so etwas erlaubt.

    • Dunja Rieber
      Dunja Rieber

      Hallo,
      Gerne, vielen Dank für Ihre positive Rückmeldung!
      Herzliche Grüße,
      Dunja Rieber

Schreibe einen Kommentar

Empfehlung der Redaktion

Die wichtigen Spurenelemente Mangan, Molybdän und Kupfer stecken z. B in Haferflocken.
10. Dezember 2018 Kommentare: 0

Unterschätzt: So wichtig sind Mangan, Kupfer und Molybdän

von Dunja Rieber
Diese Spurenelemente sind kaum bekannt, aber dennoch groß in der Wirkung. Und sie stecken in diesen Naturprodukten!
Zum Artikel >
DIe Ernährung ist ein wichtiger Teil der Therapie bei Rheuma.
3. Dezember 2018 Kommentare: 2

Rheuma: Richtig essen, weniger Schmerzen

von Dunja Rieber
Die richtige Ernährung ist laut Rheuma-Liga ein wichtiger Teil der Therapie um Entzündungen zu lindern. Was Sie bei Rheuma essen sollten.
Zum Artikel >
Glücklich, fit und gesund - ein neuer Report zeigt, dass es nur 9 % der Deutschen so geht.
23. November 2018 Kommentare: 0

Warum wir ungesünder leben als wir glauben – neuer Gesundheits-Report 2018

von Dunja Rieber
Leben Sie gesund? Der Gesundheits-Report 2018 sagt: Die Deutschen schätzen sich viel gesünder ein als sie sind - wirklich gesund leben jedoch weniger als zehn Prozent!
Zum Artikel >