Deutsche leben im Schnitt kürzer als anderen Westeuropäer.

Deutsche haben die geringste Lebenserwartung in Westeuropa – was machen wir falsch?

Die Deutschen leben auffallend kürzer als alle anderen Westeuropäer. Was machen die Menschen in unseren Nachbarländern besser als wir? Es liegt auch am Essen.
von Dunja Rieber

Dass es so schlimm steht, hätte kaum jemand geahnt. Wir Deutsche leben so kurz wie kein anderer Westeuropäer. Das geht aus einer der größten Gesundheitsstudien weltweit hervor, der „Global Burden of Disease“, die von der Harvard Universität und der WHO initiiert wurde. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht. Weltweit wurden hierfür alle verfügbaren Quellen und mehr als 8.200 Daten aus 195 Ländern ausgewertet. Auch das typisch deutsche Essen könnte nach Ansicht der Experten schuld an der niedrigen Lebenserwartung sein.

Wie lange leben wir? Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

Global betrachtet ist unsere Lebenserwartung zwar seit 1950 stetig gestiegen: Im Schnitt beträgt sie in Westeuropa mittlerweile 79,5 Jahre für Männer und 84,2 Jahre für Frauen.

Doch der Vergleich mit allen 22 westeuropäischen Ländern zeigt: Besonders weit abgeschlagen stehen deutsche Männer mit einer Lebenserwartung von 78,2 Jahren da. Im Schnitt sterben sie rund 1,3 Jahre früher als der EU-Durchschnittsmann. Frauen können immerhin mit einer Lebenserwartung von 83,1 rechnen. Noch schlechter schneiden bei den Frauen nur noch die weiblichen Dänen und Briten (82,7 Jahre) ab. Über beide Geschlechter betrachtet, bildet Deutschland damit sogar das Schlusslicht bei der Lebenserwartung und landet auf dem letzten Platz.

Wer lebt am längsten in Europa?

Das Wetter ist offenbar nicht der entscheidende Faktor. Denn unter den Spitzenreitern in Europa liegen die Spanier und die Schweizer – Länder, die sich in dieser Hinsicht deutlich unterscheiden. Am allerlängsten leben im Schnitt Spaniens Frauen mit 85,8 Jahren Lebenserwartung. Bei den Männern liegen die Schweizer mit 82,1 Jahren am weitesten vorne, spanische Männer werden rund 80 Jahre alt. Neben den Spaniern zählen auch andere Mittelmeerländer wie Frankreich und Griechenland zu den Spitzenreitern. Und auch die Menschen in skandinavischen Ländern und den Benelux-Staaten haben im Schnitt ein längeres Leben als wir.

Warum sterben Deutsche so früh?

Doch was sind die Gründe dafür, dass Deutschland im westeuropäischen Vergleich so schlecht abschneidet? Die Vermutung von Experten ist wenig überraschend: In erster Linie der ungesunde Lebensstil. Weil neben den Spaniern auch andere Mittelmeerländer wie Griechenland und Frankreich die Liste anführen, liegt es nahe, dass die Ernährung ein großer Faktor ist. Im Schnitt haben die Deutschen einen eher ungesunden Lebensstil. Sicherlich gibt es langsam ein Umdenken in der Bevölkerung, aber was den Alkoholkonsum und kalorienreiches Essen angeht, liegen die Deutschen immer noch weit vorn, die Bewegung zum Ausgleich fehlt. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes treten in Deutschland besonders häufig auf – dieser Lebensstil hat seinen Preis.

Die Mittelmeerküche bietet dagegen nicht nur viel Fisch und gutes Olivenöl. Auf dem Speiseplan stehen vor allem auch mehr vitaminreiche Gemüsegerichte, Salate, Obst und Hülsenfrüchte. Die Mittelmeerküche steht nicht nur für Genuss und geselliges Beisammensein, sie hat auch positive Effekte bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.

Man kann es sicher nicht verallgemeinern, doch die typisch deutsche Kost ist leider fleisch- und wurstlastig, dabei gleichzeitig nährstoffärmer, kalorienreich und eher arm an Gemüse und Fisch. Dazu kommen Alkohol und Tabak, Bewegungsmangel und Übergewicht, denn die Deutschen sind auch dicker als der EU-Durchschnitt. Nach Zahlen des statistischen Amts der EU sind in Deutschland 16,9 Prozent der Erwachsenen fettleibig. Im EU-Durchschnitt sind es 15,9 Prozent, in Italien sind es lediglich 10,7 Prozent. Zu viel Gewicht gilt als einer der größten Risikofaktoren für unsere Gesundheit, gerade auch für Herzinfarkt und Schlaganfall. Übergewicht zählt damit neben Bluthochdruck, hohen Blutzuckerwerten und Rauchen zu den vier größten Risikofaktoren für unsere Gesundheit.

Warum Hundertjährige so alt werden – ein Blick auf den Speiseplan der ältesten Menschen dieser Welt

Teures Gesundheitssystem, kurzes Leben – wie kann das sein?

Doch wie sieht es bei den anderen nordischen Ländern aus, die uns ebenfalls abgehängt haben? Vor allem Skandinavien setzt auf frühe Prävention als zentralen Baustein im Gesundheitssystem. Weitsichtigkeit und Prävention – zwei Dinge, um die wir uns hierzulande besser selbst kümmern sollten.

Und das, obwohl das deutsche Gesundheitssystem  – nach dem der Schweizer – das zweitteuerste in Europa ist. Eigentlich positiv, dass Deutschland zu den Ländern mit dem meisten medizinischen Personal pro Einwohner gehört. Doch die Schweizer scheinen ihr Geld sinnvoller einzusetzen. In einigen Bereichen unseres Gesundheitssystems sind auch wir sicherlich gut versorgt. Aber es wäre wünschenswert, wenn unsere Verantwortlichen im Gesundheitssystem endlich bereit wären, mehr für Prävention auszugeben. Und natürlich müssen wir auch selbst bestmöglich auf uns achten. Eine ausgewogene Ernährung, etwas Bewegung, ein gesunder Umgang mit Stress, kein Übergewicht – es lohnt sich immer, möglichst viel für sich und die eigene Gesundheit zu tun – schließlich haben wir nur die eine!

Foto: shutterstock/271267736/PointImages

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Dunja Rieber

ist Ernährungswissenschaftlerin und schreibt seit 2018 für den LaVita-Blog. Ihr Grundsatz für eine gesunde Ernährung: Von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Beim Kochen soll es frisch und möglichst ausgewogen sein - aber nicht zu aufwändig, denn im Alltag mit zwei kleinen Töchtern bleibt nicht viel Zeit, um lange in der Küche zu stehen.

1 Kommentar

  • Reinhard Seidel

    Krankheiten sind in der Regel eine Folge von Mangelernährung, da bin ich voll bei Ihnen. Vorsorge, im Sinne von Rasterfahndung, kann ich nicht als Vorsorge bezeichnen. Die Folge kann dann schon mal sein, dass gesunde Menschen Medikamente verabreicht werden, die gar nicht nötig sind. Schon bei der Frage, wer die Bestimmung von Blutwerten von Vitamin B (1-12) oder D3 bezahlt, gerät man schon ins Grübeln. Die Kasse zahlt offenbar nur, wenn es vom Arzt als unbedingt notwendig beschrieben wird. Ansonsten zahlt es der Patient (Ein Labor verlangt für die Bestimmung von B1, 2, 6 und 12 sowie D3 schon mal locker über 100€)
    Aber wer sich etwas informiert, merkt schnell, dass der Mangel da sein muss, vor allem, wenn Symptome auftreten. Also ich bin 67, benötige keinerlei Medikamente, nehme aber eine ganze Reihe von Nahrungsergänzungsmitteln!! Wichtig ist mir Vitamin D3 (10.000i.E. täglich) mit Magnesiumcitrat (wichtig zur Umwandlung des D3 in das Hormon Calcitriol!!) und Vitamin K2 (in der MK7 alltrans-Form). Dieses Paket lässt Osteoporose und dessen Begleiter, Arteriosclerose, verschwinden. Abends eingenommen (D3) hilft es beim Schlafen und vertreibt Müdigkeit am Tage. Und nebenbei sinkt das Risiko an Herz-Kreislauf, Demenz oder Krebs zu erkranken.
    Auf diese Weise kann sich jeder selbst versorgen, ohne auf die sog. Vorsorge angewiesen zu sein.

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