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Kreuzallergien… denn eine Allergie kommt selten allein

Kreuzallergien wie auf Paprika, Apfel oder Hausstaub werden immer häufiger.

Beim herzhaften Biss in einen Apfel verspüren Sie plötzlich ein Brennen auf der Zunge? Rohkost vertragen Sie im Frühjahr schlechter als sonst? Dann leiden Sie eventuell an einer Kreuzallergie. Noch vor 20 Jahren litten etwa 17 Prozent aller Heuschnupfen-Patienten auch an einer Kreuzallergie. Jetzt sind es schon fast 60 Prozent. Wir zeigen Ihnen, welche Kreuzallergien es gibt, wie sie entstehen und was Sie dagegen tun können.

Ob Pollen, Kuhmilch oder Hausstaub – es gibt in unserer Umwelt zahlreiche Stoffe, die Allergien auslösen können. Ein Allergietest beim Arzt zeigt meistens, was der Auslöser für die typischen Symptome wie Schnupfen, Hautreaktionen oder Verdauungsbeschwerden ist. Doch unser Immunsystem verändert sich – leider nicht immer zum Guten. Nicht selten reagiert man irgendwann noch auf ganz andere Auslöser allergisch: Eine tückische Kreuzallergie entwickelt sich.

Was genau ist eine Allergie?

Bei einer Allergie reagiert unser Immunsystem auf körperfremde Substanzen, die eigentlich ungefährlich sind, mit einer Abwehrreaktion. Normalerweise hat unser Immunsystem die Aufgabe, fremde und schädliche Substanzen im Körper aufzuspüren und unschädlich zu machen. Im Falle von Allergien jedoch identifiziert unser Immunsystem fälschlicherweise harmlose, körperfremde Substanzen als „schädlich“ und geht gegen diese vor. Diese körperfremden Substanzen – auch Allergene genannt – können Pollen sein, von bestimmten Lebensmitteln stammen oder z.B. durch Hausstaub ausgelöst werden. Aber eigentlich können fast alle Substanzen Allergene sein!

Wie entsteht eine Kreuzallergie?

Kreuzallergien können das Leben eines Allergikers kompliziert machen. Denn bei einer Kreuzallergie erkennt das Immunsystem nicht nur ein bestimmtes Allergen und bekämpft es – es bekämpft auch gleich einige chemisch ähnlich gebaute Substanzen mit! Denn Nahrungsmittel enthalten bestimmte Eiweißstrukturen, die Ähnlichkeit mit allergieauslösenden Pollen aufweisen. Das kann dazu führen, dass ein Pollenallergiker bestimmte Nahrungsmittel nicht mehr verträgt. In diesem Fall spricht man von einer Kreuzallergie.

Sehr verbreitet ist die Birkenpollen-Apfel-Kreuzallergie, da Birkenpollen und Äpfel eine sehr ähnliche Eiweißstruktur haben. Bei Betroffenen führt der Biss in den Apfel daher zu den typischen allergischen Symptomen: Die Lippen brennen, es prickelt auf der Zunge, oder die Mund- und Rachenschleimhäute schwellen an. Auch Magen-Darm-Beschwerden können auftreten.

Einige Beispiele für kreuzallergische Reaktionen

 

Primärallergie Mögliche Kreuzallergie auf…
Getreidepollen Pollen: Dinkel, Gerste, Hafer, Hirse, Mais, Reis, Weizen
Gräserpollen: Weidelgras
Nahrungsmittel: Getreidemehl
Gräser(-pollen) Pollen: Ruchgras, Wiesenlieschgras, Knäuelgras, Raygras (→ Ananas)
Nahrungsmittel: Kartoffeln (roh), Soja, Erdnüsse (Hülsenfrüchte), Erbsen, Kiwis, Tomaten, Melone, Wassermelone
Getreide: Roggen, Hafer, Weizen, Gerste
Pfefferminze/Gewürze
Hülsenfrüchtler Erdnuss, Bohne, Linse, Sojabohne, Klee, Lupine, Lakritze, Johannisbrot, Gummi arabicum, Tamarinde
Nüsse Roggenmehl, Cashew, Erdnuss, Mandel, Mohn, Pistazien, Sesam, Walnüsse, Kiwi
Traubenkraut (Ambrosia) Kamille, Melone, Banane
Hausstaubmilben Milbenarten (Vorratsmilbe)
Krustentiere: Krebse, Krabben, Shrimps, Scampi, Garnelen, Langusten, Hummer
Sonstiges: rote Mückenlarve (im Fischfutter), Schnecken, Muscheln (z. B. Auster), Kakerlaken
Fische Hühnerei (durch Fischmehlfütterung)
Hühnerei Ente, Gans, Hühnerfleisch, Truthahn, Papagei, Kanarienvogel, Taube, Wellensittich
Kuhmilch Rinderhaar, Rind-/Kalbfleisch, Soja

Was kann man gegen Kreuzallergien tun?

1. Immunsystem stärken

Dreh- und Angelpunkt bei einer allergischen Reaktion ist unser Immunsystem, da es bei einer Allergie „fälschlicherweise“ in Aktion tritt, und unser Darm, der einen entscheidenden Einfluss auf unser Immunsystem hat. Wie Sie Ihr Immunsystem am besten unterstützen, lesen Sie hier. Bis man Immunsystem und Darm effizient gestärkt hat, gilt es natürlich, die Hauptauslöser einer Allergie vorerst zu meiden.

2. Darmflora aufbauen

Ein gestörtes Darmmilieu kann die Ursache für häufig auftretende Allergien und damit auch Kreuzallergien sein. Um eine gestörte oder empfindliche Darmflora aufzubauen, sind ballaststoffreiche Lebensmittel wie frisches Obst (Äpfel, Birnen, Zitrusfrüchte etc.), Gemüse (Brokkoli, Kohl, Karotten, Kartoffeln etc.), Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte oder Nüsse empfehlenswert. Außerdem kann man den Darm mit Probiotika, also Milchsäurebakterien, unterstützen. Milchsauer vergorene Gemüsesäfte oder Naturjoghurts sind dafür sehr gut geeignet. Was Sie sonst noch für Ihren Darm tun können, erfahren Sie hier.

3. Entspannung hilft auch bei Allergien

Dass Stress auf den Magen schlägt ist ein altes und wahres Sprichwort. Genaugenommen beeinflusst Stress aber besonders unseren Darm und bringt die mikrobiotische Darmbalance ins Wanken. Wenn wir gestresst sind, haben wir ein gestörtes Hungergefühl und neigen dazu, die Ernährung zu vernachlässigen: Wir essen zu schnell, zu fettig, greifen eher zu „leeren Kohlenhydraten“ und machen unserem Darm damit das Leben schwer. Daher gilt: Gerade in stressigen Phasen sollten Sie auf Ihr Essen besonderen Augenmerk legen. Wie Sie einen gereizten Darm bei Stress schonen, lesen Sie hier.

4. Bewegung und Sport

Sport oder regelmäßige Bewegung hilft beidem – Darm und Immunsystem – und kann sich positiv auf Allergien auswirken, denn Bewegung an der frischen Luft regt unseren Stoffwechsel und unsere Darmaktivität an.

5. Schälen oder Erhitzen

Durch Schälen und Erhitzen können verschiedene Obstsorten (vor allem Äpfel oder Kernobst) für Allergiker verträglicher werden. Wer trotz Kreuzallergie nicht auf Äpfel und Co. verzichten möchte, könnte ein frisches Apfel- oder Birnenmus oder Obstkuchen ausprobieren.

6. Alte Apfelsorten für Allergiker

Einer der Gründe, weshalb viele Menschen auf Äpfel allergisch reagieren, sind die fehlenden Polyphenole in modernen Apfelzüchtungen. Diese sekundären Pflanzenstoffe sind zuständig für Farbe und Geschmack der Äpfel, sorgen aber auch dafür, dass sie schneller braun werden. Deshalb wurden sie aus modernen Apfelsorten fast gänzlich herausgezüchtet. In alten Apfelsorten (Boskoop oder Gravensteiner) sind sie noch enthalten. Allergiker sollten deshalb auf regionalen Märkten nach alten Apfelsorten Ausschau halten , am besten von Streuobstwiesen.

7. Alkohol kann für Allergiker problematisch sein

Man braucht Alkohol nicht verteufeln, wenn er maßvoll genossen wird. Bei Bier und Wein können jedoch natürliche Inhaltsstoffe wie Gerste, Trauben, Hopfen etc. allergische Reaktionen und auch Kreuzallergien auslösen bzw. verstärken.

Christian John

Christian John

schreibt seit 2015 als Redakteur für LaVita. Als Kulturwissenschaftler und Anthropologe interessiert den jungen Familienvater nahezu alles, was den Menschen zum Menschen macht. Er liebt frische Luft, einsame Skitouren, Zeit mit seinen beiden Söhnen zu verbringen und gesundes Essen. Wenn er nicht für seine Familie und Freunde kocht, macht sich Christian Gedanken, wie er sein Häuschen ausbauen kann.

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