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Kinder und gesundes Essen: Von kleinen Gemüsehassern und Fleischverweigerern

Gesunde Kinder Ernährung ist wichtig - aber nicht immer ganz leicht.

Kinder müssen gesund und ausgewogen essen – das hören und lesen Eltern ständig. Doch was tun, wenn das Kind da ganz anderer Meinung ist?


„Meine Eltern kapieren echt gar nichts“, beschwert sich „Mietze“ – 15 Jahre alt – im Vegetarier-Forum. Sie möchte sich nach drei Jahren Vegetarismus jetzt vegan ernähren – zur großen Sorge ihrer Eltern. „Meine Mutter meint, dass ich so zu wenig Vitamine bekomme“, schreibt sie weiter.

Von so viel Lust auf Grünes können derweil andere Eltern nur träumen. Denn Kinder, die jedes Gemüse verweigern, stellen noch immer die Mehrzahl der vermeintlichen „Problem-Esser“ dar. Doch ist diese Angst vor mangelhafter Ernährung hierzulande überhaupt begründet?

Kinderarzt und Ernährungsmediziner Dr. Ulrich Kraft aus Fulda meint dazu: „Bei Kindern ist der gesamte Körper, vor allem das Gehirn und das Nervensystem noch im Aufbau. Eine Mangelernährung im Kindesalter könnte bedeuten, dass sich dadurch intellektuelle, neurologische und psychologische Probleme manifestieren können. Das gilt es auf jeden Fall zu verhindern.“

Kinder wissen nicht, was es heißt „für die Zukunft“ zu essen

Die erste Reaktion vieler Eltern dürfte darum sein, Kinder zum gesunden Essen überreden zu wollen. Doch das ist der falsche Ansatz. Denn leider lassen sich die wenigsten Kinder von logischen Erklärungen über gesunde Ernährung überzeugen. Sie haben einfach keine Vorstellung davon, was es heißt, „für die Zukunft“ zu essen. Sie leben im Hier und Jetzt und wollen essen, worauf sie gerade Appetit haben.

Hinzu kommt, dass Kinder sozusagen eine genetische Essbremse in sich tragen – die sogenannte „Food Neophobia“. Sie bewirkt, dass sich Kinder vor neuartigen Lebensmitteln erst einmal ekeln, sie ablehnen und lieber auf Altbekanntes zurückgreifen. Evolutionär gesehen eine Lebensversicherung, denn sie hindert das Kind daran, alles Mögliche hinunter zu schlucken – es könnten ja auch giftige Früchte oder Beeren darunter sein. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern nachvollziehen können, warum ihre Kinder so reagieren, wie sie reagieren.

Kinder erachten für normal, was die Eltern vorleben

Der wichtigste Schritt hin zu einer gesünderen Kinderernährung ist für Dr. Kraft, dass die Eltern ihre Vorbildfunktion voll und ganz erfüllen: „Die Grundlage für eine ausgewogene Ernährung ist die Familienernährung. ‚Verweigert‘ der Vater beispielsweise Gemüse, so signalisiert dies dem Kind, dass in diesen Nahrungsmitteln eine Gefahr stecken könnte. Werden für das Familienessen industriell hergestellte Fertiggerichte bevorzugt, so prägt das den Geschmack und den Stoffwechsel des Kindes. Der Alltag in meiner Praxis zeigt, dass Kinder für normal erachten, was die Eltern vorleben.“

Doch Kinder sind eben Kinder. Und so gibt es auch immer wieder Situationen, in denen Eltern alles richtig machen – um am Ende doch zu verzweifeln. Zu Recht? Wir haben den Experten zu zwei Fällen befragt.

Kinder können auch als Vegetarier gesund leben.

Lena, 9 Jahre, Vegetarierin aus Überzeugung

Lena hat sich entschieden: Für sie soll kein Tier mehr sterben. Sie liebt Tiere doch! Zuhause hat sie zwei Kaninchen und wann immer es geht, fährt sie mit dem Fahrrad zum zwei Kilometer entfernten Ponyhof. Einmal die Woche bekommt sie sogar Reitstunden. Ihre Entscheidung steht fest. Da kann Mamas Braten noch so gut duften.

Das rät der Experte:
Vegetarisch oder gar vegan zu leben, ist auch für Kinder möglich. Es setzt jedoch voraus, dass man sich mit Lebensmitteln auskennt. Vegetarisch zu leben, ist nicht nur das Meiden tierischer Produkte. Eine ausgewogene Ernährung bedeutet, dass man auf hochwertige Lebensmittel setzt und dabei auf die Zufuhr von kritischen Nährstoffen, wie zum Beispiel Eisen, Zink, Calcium und die Vitamine B2, B12 und D, achtet. Wichtig ist auch, dass man beim Meiden von tierischem Eiweiß aus Fleisch, Eiern und Milch die Kalorien nicht durch einfache Kohlenhydrate wie Nudeln, Brot und Süßigkeiten ersetzt.

Jugendliche essen gerne schnell und eher ungesund, Eltern können trotzdem etwas für einen gesunde Ernährung tun.

Jan, 15 Jahre, Fast-Food-Junkie mit großem Freundeskreis

Jan hat viele Freunde. Nach Hause kommt er fast nur noch zum Schlafen. Von seinem Taschengeld kauft er sich meist unterwegs etwas zu essen. Günstig sollte es sein und lecker schmecken. Burger, belegte Brötchen und Pizzastücke sind da einfach perfekt! Wenn Mama abends gekocht hat – Salat mit Putenstreifen oder Ratatouille – dann hat Jan keinen Hunger mehr.

Das rät der Experte:
Dass Jugendliche sich über Jahre so ernähren, lässt sich nicht wirklich vermeiden. In der Kindheit sind Eltern nicht nur Vorbilder, sondern sie haben auch noch erzieherischen Einfluss. Für Jugendliche hat aber der Freundeskreis die größte Geltung. Wer sich ausschließt, ist Außenseiter. Trotzdem sollten Eltern auch hier auf ihr Kind einwirken. Zum Beispiel sollte es zumindest gelegentlich gemeinsame Mahlzeiten in der Familie geben, bei denen nach dem Wunsch der Jugendlichen gekocht wird. Es sollte auch einen Minimal-Konsens geben, zum Beispiel die Einnahme eines komplexen Vitalstoffkonzentrats.

Gastautor Dr. Ulrich Kraft

Gastautor Dr. Ulrich Kraft

Dr. Ulrich Kraft ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt auf Ernährungsmedizin und Natur­heilkunde. In seiner Arbeit gehören Entwicklungsmedizin und die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Hirnfunktionen zu seinen Schwerpunkten. Seine therapeutischen Ansätze beinhalten vor allem Entwicklungsförderung, Ernährungsmedizin und orthomolekulare Medizin (Nährstoffmedizin).

1 Kommentare
  1. Hallo,

    interessante und informative Beiträge hier, super. Habe längere Zeit als stiller Gast nur mitgelesen und mich jetzt mal angemeldet.
    Ich würde mich freuen, wenn ihr bei Gelegenheit auch einmal auf meinem Blog zum Thema Textilreinigung vorbeischauen würdet.

    Alles Liebe

    Herbert

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