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Insekten essen – eine nachhaltige Proteinquelle der Zukunft?

Insekten essen: Richtig zubereitet eine wahre Delikatesse

Jetzt zur Dschungel-Camp-Zeit wieder in aller Munde: Insekten! Doch über 70% der Weltbevölkerung essen Insekten das ganze Jahr hindurch, nur die westliche Welt findet es eklig. Warum eigentlich? In großen Teilen Afrikas, Südamerikas und Asiens gehören Kerbtiere zum täglichen Ernährungsplan. Und das aus gutem Grund!

Entomophagie – hinter diesem Wort versteckt sich der Verzehr von Insekten. Der Begriff ist hierzulande noch weitgehend unbekannt. Doch das könnte sich ändern, denn das Insektenessen etabliert sich immer mehr in Europa. Nur ein Trend oder gesunde Alternative zu Fleisch und Fisch? Der hohe Nährwert und die wenigen Kohlenhydrate sprächen dafür. Wir haben uns mit einem Vertreter der Insektivoren unterhalten und staunen nicht schlecht über die Vorteile der kleinen Vielbeinern.

Folke Dammann aus Hamburg gründete 2013 Snack-Insects und kreiert seitdem Gerichte mit Insekten. Im Interview erklärt er, welche Vorteile es hätte, wenn wir regelmäßig Insekten essen würden.

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Folke Dammann betreibt in Hamburg einen Versandhandel für Insekten.

Lieber Folke, warum sollten wir Insekten essen?

Folke: Ganz einfach, weil sie schmecken! Überall auf der Welt werden Insekten als Nahrungsmittel geschätzt. Und dies nicht überwiegend aus Not, sondern weil Insekten dort kulturell als geschätztes Nahrungsmittel gelten. Insekten enthalten neben einem sehr hohen Proteinanteil auch viele wichtige Vitamine und Spurenelemente. Außerdem ist Insekten essen ökologisch betrachtet ein großer Vorteil. Die erforderlichen Mengen an Düngemitteln, Wasser und Energie sind weitaus geringer als z. B. bei der Rinder- oder Schweinezucht.

Wie kann man sich die Tiere geschmacklich vorstellen?

Folke: Weltweit werden knapp 2000 Insektenarten von etwa 2 Milliarden Menschen verzehrt. Hier variiert natürlich auch der Geschmack. In Europa sind nur wenige Arten für den Verzehr erhältlich. Die Zucht von Speiseinsekten konzentriert sich momentan auf Grillen, Heuschrecken, Mehl- und Buffalowürmer. Buffalowürmer ähneln geschmacklich Haselnuss, der Geschmack von Grillen ist hingegen eher fischig, Richtung Shrimps. Frittierte Heuschrecken sind vergleichbar mit knuspriger Hühnchenhaut, schmecken aber auch sehr gut karamellisiert oder mit Schokolade.

Wo kann man Ess-Insekten kaufen?

Folke: Wir bieten auf www.snack-insects.com unsere Produkte online an, beliefern aber auch verschiedene Wiederverkäufer. Auch findet man in der Gastronomie immer mehr Angebote mit Speise-Insekten. Man sollte in jedem Falle darauf achten, dass es sich um Insekten in Lebensmittelqualität handelt. Diese Produkte sind momentan zwar noch relativ teuer, dafür erhält man aber auch ein qualitativ hochwertiges Produkt.

Müssen die Tiere vor dem Verzehr leiden?

Folke: Nein! Es gibt spezielle Zuchtfarmen in z. B. den Niederlanden und Frankreich, die Insekten speziell für den Verzehr produzieren. Insekten sind wechselwarme Tiere und fallen bei niedrigen Temperaturen in eine Art natürliche Kältestarre. Wird die Temperatur dann weiter gesenkt, wachen die Insekten aus ihrem ‚Winterschlaf‘ nicht mehr auf. Somit ist das Runterkühlen und spätere Einfrieren eine sehr schonende Methode, die hier angewendet wird.

Thema Nachhaltigkeit: Haben Insekten als Nahrungsmittel einen Vorteil?

Folke: Viele Experten und auch die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) machen sich seit einigen Jahren dafür stark, das Potential von essbaren Insekten auch in der westlichen Welt zu nutzen.

Insekten sind schmackhaft, sehr gesund und als wechselwarme Tiere sehr gute Futterverwerter. Für die Zucht von Insekten ist wesentlich weniger Wasser und Fläche notwendig. Darüber hinaus produzieren Sie vergleichsweise wenig Treibhausgase.

Die Weltbevölkerung wächst stetig und somit müssen Alternativen für eine künftige Proteinversorgung gefunden werden. Der vermehrte Verzehr von Insekten könnte sich hier positiv auswirken.

Wird es in Zukunft einen Durchbruch der Insektengerichte geben?

Folke: Natürlich ist für einen ‚Durchbruch‘ noch sehr viel Aufklärungsarbeit nötig. Insekten gelten bei vielen hierzulande eben eher als Ungeziefer. Aber wir sind auf einem guten Weg und es tut sich Einiges.

Aufgrund der noch kleinen Produktionsmengen sind Speise-Insekten aus europäischer Zucht einfach noch sehr teuer. Wir hoffen, dies wird sich künftig durch steigende Nachfrage ändern und Insekten dann auch preislich attraktiver machen.

Außerdem gibt es momentan noch keine europaweit einheitliche Gesetzesgrundlage. In Deutschland ist das Anbieten und der Verkauf von ganzen Speise-Insekten kein Problem, wenn gängige lebensmittelrechtliche Vorgaben eingehalten werden. Die industrielle Verarbeitung von Insektenbestandteilen ist allerdings noch nicht möglich. Ab 2018 tritt die neue Novel Food Verordnung in Kraft, die dann künftig Klarheit und einheitliche Richtlinien in Europa vorgeben wird.

Vielen Dank Folke Dammmann für das interessante Gespräch. Jetzt heißt es nur noch die eigene Skepsis zu überwinden und die kleinen Nähwertbomben zu probieren.

 

Hier ein Beispielrezept:

Frittierte Heuschrecken mit Chili und Limette

Insekten essen Rezept

20 g gefriergetr. Heuschrecken
1 rote Chili
1-2 Knoblauchzehen
 1 Limette
Erdnussöl, Salz

Zubereitung
Flügel und Beine der Heuschrecken entfernen. Erdnussöl in einer Pfanne erhitzen (min. 160), Knoblauch und Chili dazu geben. Nun auch die Heuschrecken ins heiße Öl geben und backen lassen, bis diese durchgegart sind und eine schöne Färbung angenommen haben. Je nach Geschmack mit Limettensaft abschmecken. Die fertigen Heuschrecken abtropfen lassen, salzen und noch warm servieren.

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Sara Zeitlmann

Sara Zeitlmann

arbeitet seit 2002 als Redakteurin und liebt es die Geschichte hinter einer Geschichte zu sehen. Zu ihren Lieblingsthemen gehört dabei schon immer alles, was sich mit Gesundheit und Natur beschäftigt. Bis zur Babypause 2014 war sie weltweit fürs Fernsehen unterwegs, jetzt bleibt sie lieber in der Nähe der Familie, ihrem Kräutergarten und schreibt u. a. als Gast-Autorin für den LaVita Blog.

4 Kommentare
  1. Lothar sagt

    Lothar
    Ich würde sagen, daß man hier eindeutig auf dem Holzwege und die Begründung sehr fadenscheinig ist, denn hier möchte jemand einfach nur ein neues Geschäftsfeld eröffnen. Der Grund für die Aufnahme in den menschlichen Speisezettel ist einzig der Mangel an Alternativen für die notwendige Eiweißaufnahme in Afrika, Australien und Co., die über die Jahrtausende natürlich in die dort anzutreffende Kultur integriert wurde (logisch oder?). Man sollte beim Verzehr auch nicht vergessen, daß sämtliche Innereien incl. der Stoffwechselprodukte (Auszuscheidendes) mit verzehrt werden müssen. Auch ist es für mich kein hinzureichender Grund, damit evtl. die Ernährung der explodierenden Weltbevölkdrung zu sichern. Im Gegenteil muß dieser Trend gestoppt werden, da dadurch ganz andere Felder der Bedingungen auf unserem Erdball so stark in Mitleidenschaft gezogen wird, daß unser Planet in evtl. 50 Jahren kaum noch bewohnbar sein wird (Luft- u. Wasserverschmutzung, Müllberge ohne Ende, zerstörte Ökosysteme für Flora und Fauna, Resourcenkollaps etc.). Nicht zu vergessen, daß nicht der Verzehr von Insekten zur Menschwerdung beigetragen hat, sondern der zunehmende Fleischkonsum durch unsere Vorfahren (Zunahme der Hirnmasse auf das Doppelte).

    … (von der Redaktion gekürzt aufgrund diskriminierender Inhalte – bitte beachten Sie unsere Netiquette)

    • Christian John
      Christian John sagt

      Hallo Lothar,
      Ihrer Aussage „nicht der Verzehr von Insekten habe zur Menschwerdung beigetragen, sondern der zunehmende Fleischkonsum durch unsere Vorfahren (Zunahme der Hirnmasse auf das Doppelte)“ muss ich hier widersprechen.
      Fleischkonsum war in der Entwicklung des Menschen nicht DER Grund, warum wir uns vor über 3 Mio Jahren von Hominiden zum Homo sapiens sapiens entwickelt haben, sondern EINER von vielen (neben dem aufrechten Gang, der Entwicklung einer Sprache, Werkzeuggebrauch usw.). Dass auch Insekten, Larven und Schnecken auf dem Speiseplan der altsteinzeitlichen Jäger und Sammler standen, konnte durch Ausgrabungen paläolithischer Lagerplätzen nachgewiesen werden. Der frühe Mensch nutzte demnach ein weitaus größeres Spektrum an Proteinquellen, als man wohl vermutet. Und dazu gehörten auch Insekten.

  2. Rietschel sagt

    Richtigstellung:
    Sehr geehrter Herr John, auch ich muß Ihren Ausführungen widersprechen, denn Sie interpretieren hier etwas in meine Ausführungen, die so nicht lauteten! Ich schrieb nichts von DEM Grund zur Menschwerdung, sondern von einem Beitrag dazu, was schon an sich klar macht, daß dies nur eine Ursache war. Zudem meine ich nicht den Übergang vom Affenmenschen zu den Hominiden, von denen es eine ganze Reihe von Entwicklungszweigen gab, sondern von den Hominiden der Savanne, die in erster Linie von pflanzlicher Nahrung lebten, zu dem modernen Menschen der Steinzeit als Jäger und Sammler etc. Es ist m. E. statistisch erwiesen, daß mit steigendem Fleischkonsum auch das Hirnwachstum stark zunahm und damit auch die Leistungsfähigkeit des Menschen. Nun kommen Sie aber bitte nicht mit Vergleichen aus dem Tierreich, denn da gibt es selbstverständlich noch andere Gründe, warum Tiere mit noch größeren Hirnmassen nicht das leisten (geistige Kompetenz) können, was der homo sapiens leistet. Auch habe ich nirgends geschrieben, daß die Hominiden nicht auch von Insekten, Schnecken und ähnliches Getier gelebt haben, nur gehört das in unserem Kulturkreis schon sehr lange nicht mehr zum Speiseplan (von Besonderheiten abgesehen, Stichpunkt Austern, Weinbergschnecken u.ä.). Wogegen ich mich wehre, ist nur die Tatsache, daß hier allzu oft so ganz im Sinne des Zeitgeistes „alles“ Alltägliche, was sich über Jahrtausende bewährt hat und unsere Kultur eigentlich ausmacht, mit einemmal falsch sein soll und abgelöst werden muß durch Rituale anderer Kulturen, gegen die ich im übrigen nichts habe, die aber mitnichten von uns kopiert werden müssen. Sie vertreten hier, auch in vielen anderen Beiträgen eine Ideologie (vor allem, wenn man in den sogen. „Zwischenzeilen“ liest) , von der ich mich nicht vertreten fühle und die ich in vielerlei Hinsicht ablehne (nicht die ernährungsphysiologisch richtige und ausgewogene Ernährung) wie z. B. den Wahn des Veganismus, der, wie sich heute schon in Kliniken für Gebährende, die diesem auch in der Schwangerschaft unterliegen, offen zeigt, nämlich darin, daß die Neugeborenen aufgrund von Ernährungs-Mängeln (Vitamine, Spurenstoffe, Enzyme etc.) z. T. schwere Schäden aufweisen. Und welche Kette von außergewöhnlichen Maßnahmen das nach sich zieht, muß ich sicher nicht näher erläutern. Aber wir laufen „sehenden“ Auges ins Unglück, die Gesellschaft wird’s schon richten. Im übrigen bin ich nicht gegen Alternativen, ich esse nur noch rel. wenig Fleisch (2-3 mal/Woche), bin für ballaststoffreiche pflanzliche Ernährung, gegen die überbordende Massentierhaltung, gegen fast food u.ä., gegen künstliche Aromen, aber nicht unbedingt gegen Konservierungsstoffe (die sind manchmal angebracht und m. W. in keinster Weise wiss. belegt gesundheitsbeeinträchtigend). Ich könnte noch vieles dazu darlegen, doch muß einmal Schluß sein. Eins noch: wieso habe ich jemanden diskriminiert? Wieso kann ich nicht die Eröffnung eines neuen Geschäftsmodelles kritisch bewerten? Das ist reine Zensur, die m. E. leider auch dem modernen Zeitgeist entspricht. Nur weiter so, dann kommen wir schon zu einer Diktatur einer neuen Couleur, nämlich wo jedem vorgeschrieben wird was ein jeder zu tun und zu lassen hat (mit dem Schreiben fängt es an,…), grüner Vagyday läßt grüßen.

    • Cora Högl
      Cora Högl sagt

      Sehr geehrter Herr Rietschel,

      mein Kollege, Herr John, ist heute nicht im Haus, darum antworte ich Ihnen gerne auf Ihre Fragen.

      Es tut uns sehr leid, wenn Sie sich durch diesen Artikel in Ihrer Lebensweise angegriffen fühlen. Das war nicht unsere Absicht. Wir stellen lediglich eine Entwicklung vor, die sich seit Jahren mehr und mehr in Europa etabliert und die laut Ernährungsorganisationen großes Potenzial hat.

      Zur Kürzung Ihres ersten Kommentars: Der Abschnitt, der von unserer Redaktion entfernt wurde, hatte durchaus das Potenzial, Angehörige anderer Kulturen oder Herkunft zu beleidigen. Daher wurde er entfernt. Wir bitten Sie um Verständnis.

      Herzliche Grüße, Cora Högl

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