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Gluten: Leben wir glutenfrei gesünder?

Viele verzichten freiwillig auf Gluten

Glutenfreie Produkte florieren, immer mehr Menschen führen ihre gesundheitlichen Probleme auf das Getreide-Eiweiß zurück. Doch ist wirklich das Gluten der Übeltäter? Und wann ist es notwendig, strikt auf Gluten zu verzichten? Wir zeigen Ihnen, ob die Angst vorm Brot begründet ist.

Gluten ist ein Eiweißbestandteil und kommt im Getreidekorn vor. Oft wird Gluten auch als Klebereiweiß bezeichnet, da es beim Anteigen, also beim Vermischen mit Wasser und Mehl, den Teig elastisch und formbar macht.

Weizen und alle mit ihm verwandten Getreidesorten enthalten Gluten. Dazu gehören Dinkel, Grünkern und die Urweizensorten Emmer und Einkorn. Gerste und Roggen enthalten ebenfalls Gluten.

Alle Lebensmittel, die Weizen oder Bestandteile von Weizen enthalten, enthalten also auch Gluten. Und das kommt öfter als gedacht vor: Neben Nudeln, Brot und Müsli wird z. B. Weizenstärke als Bindemittel vielen Fertiggerichten, Wurst oder Kartoffelpüree beigemischt. Ein genauer Blick auf die Zutatenliste verrät das.

Das Glutenfrei-Symbol: Die durchgestrichene Ähre

Siegel
Produkte, die dieses Symbol tragen, wurden von der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft e. V. (DZG) damit ausgezeichnet, dass sie quasi glutenfrei sind – laut Gesetz dürfen darin weniger als 20 Milligramm Gluten pro einem Kilogramm enthalten sein. Das ist sogar für Zöliakie-Erkrankte verträglich. Überprüft wird der Gehalt durch anerkannte Labore. Auch LaVita trägt das Siegel „glutenfrei“.

Wer muss, wer sollte und wer kann auf Gluten verzichten?

Wer definitiv glutenfrei essen muss, sind Zöliakie-Erkrankte. Zöliakie gilt als Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem reagiert bei Anwesenheit von Gluten und richtet sich gegen den eigenen Körper, genauer, gegen die Schleimhaut des Dünndarms. Die Folge ist eine stark geschädigte Dünndarmwand, die nicht mehr bzw. nicht mehr so gut in der Lage ist, Nährstoffe aus der Nahrung aufzunehmen.

In Deutschland leiden etwa 1 Prozent der Bevölkerung an Zöliakie. Sie kann und muss medizinisch diagnostiziert werden. Betroffene müssen strengstens darauf achten, kein Gluten zu essen, da schon minimale Mengen zu Symptomen führen können. Synonym für Zöliakie wird der Begriff Glutenunverträglichkeit gebraucht.

Daneben gibt es noch den Begriff der Gluten-Sensitivität. Er beschreibt ein Phänomen, das bis heute noch nicht wissenschaftlich abgeklärt ist. Betroffene leiden unter verschiedenen Befindlichkeitsstörungen wie Verdauungsproblemen, Kopfschmerzen oder Kribbeln in den Armen und Beinen. Verzichten Betroffene eine Weile auf gluten- bzw. weizenhaltige Lebensmittel, bessern sich die Symptome. Allerdings müssen hier bei weitem nicht so strenge Grenzen eingehalten werden.

Anders als bei der Zöliakie lässt sich eine Gluten-Sensitivität nicht medizinisch diagnostizieren, weshalb sich viele Betroffene unverstanden fühlen. Wer unter ungeklärten Beschwerden leidet, kann nur durch eine Ausschlussdiät herausfinden, ob er vom Glutenverzicht profitiert oder nicht. Die Gegenprobe – also der Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln – müsste dann wiederum zur Verschlechterung führen.

Ist Gluten wirklich immer der Übeltäter?

Industriell gebackenes Brot

Industriell gebackenes Brot und Teiglinge werden innerhalb kürzester Zeit produziert. Brot, das langsamer verarbeitet wird, ist oft verträglicher.

Wieso fühlen sich viele Menschen mit einer glutenfreien Ernährung besser, obwohl man bei ihnen keine Glutenunverträglichkeit feststellen kann? Um diese Frage ranken sich diverse Theorien.

Möglicherweise ist ein Grund, dass industrielle Backwaren heute im Akkord innerhalb sehr kurzer Zeit gebacken werden. So hat der Teig keine Ruhephasen mehr, in denen normalerweise schlechter verträgliche Inhaltsstoffe (sogenannte FODMAPS) abgebaut werden. Traditionell gebackenes Sauerteigbrot ist meist bekömmlicher als industrielle Backwaren.

Auch die Züchtung und teilweise gentechnische Veränderung des Saatgutes wird als Auslöser des sprunghaften Anstiegs von vermeintlich Betroffenen diskutiert. So enthalten moderne Sorten deutlich mehr Gluten als ältere. Tatsächlich werden die Urweizen-Sorten Emmer, Einkorn und auch der ursprünglichere Dinkel trotz einem gewissen Glutengehalt besser vertragen.

Eine weitere Theorie – die verständlicherweise vor allem bei Betroffenen für Kopfschütteln sorgt – ist die „Noncebo-Theorie“. Sie besagt, dass sich allein durch das bewusste Weglassen eines bestimmten Lebensmittels bzw. eines Bestandteiles die Symptome bessern und die Betroffenen sich besser fühlen. Vielleicht auch, weil man sich bewusst mit Lebensmitteln und der Zusammensetzung befasst, Fertig- und Weißmehl-Produkte meidet und man gesünder kocht. An der Stelle sei aber auch gesagt: Ob Placebo oder Noncebo – wenn sich Betroffene besser fühlen ist oft nicht entscheidend, warum, sondern dass! Nicht immer lassen sich die Vorgänge in unserem komplexen Organismus erklären. Vor allem Menschen, die eine lange Leidensgeschichte und diverse Untersuchungen hinter sich haben, möchten sich einfach nur besser, fitter fühlen – mit oder ohne Diagnose.

Sollten wir alle auf Gluten verzichten?

Nicht jeder Mensch, der hin und wieder an Kopfschmerzen leidet, oder den ab und zu Blähungen quälen, reagiert auf Gluten. Viele weitere Auslöser kommen hier in Frage. Wer aber schon viel ausprobiert hat, kann eine Ausschluss-Diät, also eine glutenfreie Ernährung, über zwei drei Wochen versuchen.

Für Gesunde liefern die glutenfreien Lebensmittel übrigens keinen gesundheitlichen Vorteil gegenüber hochwertigen „normalen“ Lebensmitteln. Im Gegenteil stecken in glutenfreien Broten oder Keksen oft viele Zusatzstoffe und hochverarbeitete Zutaten, um das Klebereiweiß, das wichtig für die Konsistenz ist, zu ersetzen.

Der Trend, auf Verdacht oder aus Verunsicherung auf Gluten zu verzichten, nimmt trotzdem immer weiter zu. In Deutschland meidet eigenen Angaben zufolge bereits jeder Zehnte das Weizeneiweiß. In Amerika, wo die Bewegung begann, sind es schon ganze 28 Prozent.

Eine praktische Checkliste zu glutenhaltigen und glutenfreien Lebensmitteln finden Sie hier (zum Vergrößern auf die Grafik klicken):

Checkliste Gluten

Cora Högl

Cora Högl

ist seit 2013 Redakteurin bei LaVita. 2016 machte sie die Ausbildung zur ganzheitlichen Gesundheitsberaterin (IHK). Privat liebt sie es gesund zu kochen - lässt sich aber auch sehr gerne bekochen. Die so gewonnene freie Zeit verbringt sie dann am liebsten mit ihren Hunden in der Natur oder im eigenen Garten.

11 Kommentare
  1. Othmar Theiner sagt

    Hallo, weil Sie schreiben, dass das Zittern in den Beinen auch wegen Gluten sein kann, ist die Frage, ob das StressLegs auch vom Gluten kommen kann?

    Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort.

    • Cora Högl
      Cora Högl sagt

      Hallo Herr Theiner, ich gehe davon aus, dass Sie mit StressLegs das Restless Legs Syndrom meinen? Es gibt Theorien, die Gluten mit Restless Legs in Verbindung bringen. Natürlich können Sie eine glutenfreie Ernährung für einige Wochen versuchen und beobachten, ob sich an den Symptomen etwas ändert. Bei einer Glutensensitivität stellen sich Besserungen gewöhnlich schon nach wenigen Tagen ein. Bessern sich Symptome, ist eine Gegenprobe, also ein bewusstes Essen von glutenhaltigen Speisen zu empfehlen um eine gewisse Sicherheit zu bekommen, dass es tatsächlich am Gluten liegt.

      Ich würde mich freuen, wenn Sie von Ihren Erfahrungen berichten!

      Herzliche Grüße, Cora Högl

  2. Ein sehr interessenter Artikel. Ich bin selbst nicht betroffen, mein Freund leidet aber an Zöliakie, muss also streng darauf achten, sonst verbringt er den Rest des Tages mit Schmerzen auf der Toilette . :-/ Im Gegensatz dazu gibt es aber auch Menschen, die „grundlos“ überteuertes glutenfreies Brot kaufen, ohne sich richtig zu informieren, nur weil sie glauben, sie täten ihrem Körper etwas gutes – dabei ist da, wie Sie ja auch erwähnen – meist sehr viel mehr Chemie drin, als in normalem Brot. Weiterer Negativaspekt: manchmal werden „echte“ Glutenis nicht ernst genommen (im Restaurant zum Beispiel, „nein nein, da ist keine Weizenstärke drin“), weil es inzwischen so viele gibt, die „glutenfrei essen“ als Modeerscheinung mitmachen. Positivaspekt: das Angebot insgesamt wird größer wegen steigender Nachfrage. 🙂

  3. Andreas F. sagt

    Weil bei mir eine Glutenunverträglichkeit vermutet wurde, habe ich gerade einen achtwöchigen „Glutenfrei-Test“ hinter mir. Geändert hat sich leider nichts, weshalb ich inzwischen wieder „normal“ esse. Den obigen Artikel kann ich nur bestätigen, man sollte bei glutenfreien Produkten sehr genau auf die Zutatenliste schauen – so manches glutenfreies „Fertigprodukt“ hat mir mehr Probleme bereitet als ein entsprechendes glutenhaltiges Produkt.

  4. Maik Reeh sagt

    Hallo,
    da ich selbst betroffen bin, kann ich folgendes dazu sagen: Da Gluten bei Unverträglichkeit sofort eine Entzündung im Darm auslöst, reichen 3 Tage Gluten weglassen. Danach ist der Stuhlgang wieder normal und zwar solange, bis wieder Gluten in der Nahrung war. Wer also ab dem 4. Tag keine deutliche Verbesserung bemerkt, der hat andere gesundheitliche Probleme.

    Und übrigens. Die 20mg-Grenze ist kein Schutz. Ich habe genauso Probleme, wenn die Grenze eingehalten wird. Das Schlimmste ist, dass es inzwischen jede Menge nachgemachte Siegel mit der Ähre gibt und man diese Produkte alle nicht verträgt, da immer Gluten (wenn auch unter 20mg) enthalten ist.

    Es gibt seit letztem jahr eine mehrjährige Studie von einer deutschen Universität, die besagt, dass die meisten Menschen nicht direkt auf das Klebereiweiß reagieren, sondern die allergische Reaktion eine Folge der intensiven Spritzmittel ist, die der Weizen verpasst bekommt. Außerdem wird z. B. in den USA fast nur noch Gen-manipulierter Weizen angebaut. Wer glaubt, dieser manipulierte Weizen wäre nicht in unseren Lebensmitteln, der hat nur soweit recht, weil da ja „Glutenfrei“ (also unter 20mg) drauf steht 🙂

  5. Sonja Bibernell sagt

    Ich selber leider an Fibromyalgie ( ist nicht nur sehr schmerzhaft sondern hat auch massive Auswirkungen auf die Verdauung) und habe in verschiedenen Ernährungsversuchen festgestellt, wenn ich Brot vom Bäcker esse habe ich Probleme mit der Verdauung. Mein selbst gebackenes Brot aus Roggen und Dinkel vom Biobauern kann ich ohne Bedenken essen.
    Ich bin auch der Meinung, dass viele Darmprobleme nicht von den Gluten kommen sondern von den ganzen Umweltgiften welche wir mit der Nahrung aufnehmen.

    • Cora Högl
      Cora Högl sagt

      Hallo Frau Bibernell, vielen Dank für Ihren Kommentar. Das bestätigt ja die Theorie im Artikel, dass nicht nur das Gluten ausschlaggebendend ist, sondern auch die Verarbeitung und natürlich die Herkunft der Rohstoffe. Ich wünsche Ihnen alles Gute!

      Herzliche Grüße, Cora Högl

  6. Monika baur sagt

    Bin seid 2010 nachweislich Rheumakrank(kollagenose) .habe in etwa seid der gleichen Zeit lactoseunverträglichkeit. Bei lactose ist das Problem nicht so schlimm,denn da kann man die lactase in Tablettenform zu sich nehmen. Doch die Tabletten haben eines Tages nich mehr gewirkt.Hatte Durchfälle,Blähungen, Kopfweh,Depressionen,Schlappheit,Müdigkeit u.s.w..Dachte es wäre mein Rheuma. Habe dann meine basistherapie erhöht,brachte aber keine Besserung.Erfuhr zufällig von der Glutengeschichte, habe mir ein Buch gekauft in dem es sehr gut beschrieben ist, was da im Körper passiert. Seid einem halben Jahr esse ich nun Glutenfrei.Mir geht es blendend trotz meinen chronischen Krankheiten. Würde es gut finden wenn an dieser Sache weiter geforscht wird.

  7. Anja sagt

    Hm,
    ich merke auch noch nichts seit ich von Dinkel auf ganz Glutenfrei umgestellt habe.Zucker hab ich jetzt au gestrichen bekommen und langsam keinen Bock mehr-da ich immer noch Beschwerden habe, ausser ich esse nix und bleib im Bett. Habe Diverse Intoleranzen-Lactose, Histamin-, Spritz-,Farb- und Konservierungstoffe und ne Autoimmunerkrankung und Magen/Darmschäden-beschwerden. Wollte gerne wissen ob der LaVita-Saft da verträglich ist (grade bei Histaminintoleranz)?? Da ich trotz Hochdosierter Nahrungsergänzungsmitteln(teilweise1000fache Tagesdosis-B12) von der Ernährungsberaterin, laut neuestem Laborbefund 5 Monate später noch diverse Mängel habe-also kann ichs wohl nicht aufnehmen. Hab gelesen das das in flüssiger Form besser ginge.MfG AHa

    • Cora Högl
      Cora Högl sagt

      Hallo Anja,

      danke, dass Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen. Sie haben ja eine echte Odyssee hinter sich… Gerne beantworte ich Ihre Frage zu LaVita und Histamin: Aufgrund der zahlreichen enthaltenen Zutaten ist es nicht gänzlich auszuschließen, dass in LaVita geringe Spuren von Histamin vorhanden sein können. Die Prüfstelle von TÜV Rheinland hat jedoch analysiert, dass der Histamingehalt in LaVita weit unterhalb der Nachweisgrenze liegt.

      Daher sollte es bei Histaminintoleranz keinerlei Verträglichkeitsprobleme mit LaVita geben. Bei starker Histaminintoleranz oder Allergien raten wir dennoch dazu, sich langsam heranzutasten: Nehmen Sie LaVita erst tröpfchenweise in Wasser verdünnt mit dem Essen ein. Vertagen Sie das gut, können Sie die Dosis langsam steigern. Natürlich wissen Sie selbst am besten, was Sie vertragen und was Ihnen guttut.

      Gleichzeitig ist LaVita frei von jeglichen Zusatzstoffen wie Konservierungsstoffen, Farbstoffen etc. und frei von Pestiziden oder Schwermetallen.

      Durch die flüssige Form werden die Inhaltsstoffe von LaVita besonders gut vom Körper verwertet. Das beginnt schon über die Mundschleimhaut.

      Für weitere Fragen sind das gesamte LaVita-Team und unsere ausgebildeten Gesundheitsberater auch gerne telefonisch unter 0871 / 972 170 für Sie da.

      Alles Gute Ihnen! Herzliche Grüße,
      Cora Högl

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