Fibromyalgie: Bewegung, Wärme, Ernährung - Betroffene müssen lernen, auf den eigenen Körper zu hören.

Schmerz, lass nach! Die richtige Ernährung bei Fibromyalgie

Rätselhafte Schmerzen: Eine Fibromyalgie zu behandeln ist alles andere als einfach. Es gibt kein Allheilmittel und beim Essen gilt es, die Ernährung an die Signale des Körpers anzupassen.
von Dunja Rieber

Immer wieder kehrende oder ständige Schmerzen, Erschöpfung, Schlafstörungen – die Beschwerden der Fibromyalgie sind vielfältig. Die Erkrankung ist nicht heilbar, aber die Suche nach hilfreichen Behandlungsmethoden und der richtigen Ernährung als Baustein zur Therapie hat begonnen – und es gibt bereits einige vielversprechende Ansätze.

Ursache der Beschwerden: Faser-Muskel-Schmerz

Das Wort Fibromyalgie bedeutet „Faser-Muskel-Schmerz“. Die Patienten leiden unter anhaltenten Schmerzen an Muskeln und Sehnen. Die Schmerzen bleiben dabei über mindestens drei Monate, sind leicht bis unerträglich und treten an mehreren Stellen des Körpers auf. Besonderes Kennzeichen ist, dass die Schmerzen in mehreren Körperregionen auftreten: Typisch wären z. B. Nacken oder oberer bzw. mittlerer Rücken und Brustkorb und mindestens ein Schmerzort in beiden Armen und Beinen. Manchmal ist der Schmerz so stark, dass schon leichte Umarmungen oder Berührungen weh tun.

Häufig haben die Patienten Ein- und Durchschlafprobleme und das Gefühl morgens nicht ausgeruht zu sein. Viele Betroffene geben weitere Symptome an, z. B. körperliche Beschwerden von Magen, Darm, Atmung und Herz. Typisch ist auch eine Reizüberempfindlichkeit: Betroffene berichten über empfindliche Augen, Berührungs-, Geräusch- oder Geruchsempfindlichkeit. Häufig leidet auch die Seele: Nervosität, innere Unruhe, Niedergeschlagenheit und Antriebsverlust hinzu können hinzukommen. Kälte verschlechtert die Symptome, während Wärme oft als lindernd empfunden wird.

Der Weg zur sicheren Diagnose: Nicht einfach, aber möglich

Laut Leitlinie zur offiziellen Behandlung von Fibromyalgie sind in den westlichen Industrienationen etwa 2 Prozent der Bevölkerung betroffen – vornehmlich Frauen zwischen 40 und 60 Jahren. Aber auch jüngere Frauen, Männer jeden Alters, Kinder und Jugendliche können erkranken.

Nicht mehr so häufig wie noch vor einigen Jahren, aber noch immer wird manchmal die Existenz des Fibromyalgie-Syndroms bezweifelt. Dabei ist die Fibromyalgie bereits in der internationalen Klassifikation der Krankheiten der WHO (Weltgesundheitsorganisation) unter Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems aufgeführt. Teilweise wird die Erkrankung auch als psychosomatische Krankheit abgestempelt. Richtig ist jedoch, dass häufig neben den körperlichen Symptomen seelische Beschwerden hinzukommen.

Leider fehlt bis jetzt zur sicheren Diagnose ein eindeutiger Test. Weder Laboruntersuchungen noch bildgebende Verfahren geben Hinweise auf die Erkrankung – auch wenn die Überprüfung des Vitamin D-Spiegels und der Entzündungswerte zur Abklärung hinzugezogen werden. Die Fibromyalgie ist damit keine Ausschlussdiagnose mehr, dennoch sollten natürlich andere rheumatische Erkrankungen ausgeschlossen werden.

Hier finden Sie medizinische Hilfe

Der richtige Arzt: Schmerzkliniken, Schmerzambulanzen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“ finden Sie über die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin. Am besten notieren Sie sich vor dem Arztbesuch, wie sich Ihre Schmerzen anfühlen und wo sie wann auftreten. Je detaillierter Sie sich vorbereiten, umso früher kann Ihr Arzt eine Diagnose stellen.

Therapie: ein ganzheitlicher Ansatz

Das Grundprinzip der ganzheitlichen Naturheilkunde – den Patienten in den Mittelpunkt zu stellen – gilt bei Fibromyalgie ganz besonders. In der offiziellen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin heißt es auch: Der Patient bekommt keine Therapie verordnet, sondern muss aktiver Teil sein. Sprich: Was hilft, ist sehr individuell. Und es gilt auszuprobieren, was einem guttut. Der Erfahrungsschatz vieler Patienten zeigt, welche Maßnahmen neben der medikamentösen Therapie die Beschwerden lindern können:

  • Wenn möglich, so oft es geht bewegen: Wenn es schmerzt, sollte man sich schonen? Soweit möglich, raten Ärzte zu mind. 2- bis 3-mal pro Woche 30 Minuten Walking, Schwimmen, Radfahren oder Aquajogging. Die Erfahrung zeigt, dass viele dadurch Linderung verspüren und auch das Stresslevel sinkt. Wenn jede Bewegung schmerzt, gelingt es durch entspannende Techniken wie progressive Muskelentspannung oder Tai Chi besonders gut, den Schmerzkreislauf zu durchbrechen. Übertreiben sollte man es jedoch nicht und zu hohe Belastungen lieber vermeiden.
  • Therapie mit Wärme: Thermalbäder oder lokale Wärmetherapien wie Fango werden oft als angenehm empfunden, während Kälte die Schmerzen meist verschlimmert.
  • Stressabbau: Stress und Anspannung zu reduzieren, ist ein wesentlicher Baustein der Behandlung. Fernöstliche Entspannungsmethoden sowie progressive Muskelentspannung sind gute Maßnahmen, um bewusst zu entspannen und Stress abzubauen. Sie möchten lernen, besser mit Stress umzugehen? Hier zeigen wir Ihnen wie es geht.

Richtig essen: Weniger Fleisch, mehr pflanzliche Kost

Die Medizin steht noch am Anfang ihrer Erkenntnisse über den Nutzen ernährungstherapeutischer Maßnahmen bei Fibromyalgie. Eine spezielle Fibromyalgie-Diät gibt es noch nicht. Allerdings geben erste Studien und auch die Erfahrungswerte Betroffener Anlass zu hoffen. Wie bei Gesunden auch sollte die Ernährung überwiegend pflanzlich, ausgewogen und abwechslungsreich sein:

  • Wenig Fleisch, mehr Pflanzliches: Die Deutsche Rheuma-Liga empfielt eine betont pflanzliche Kost, max. 2- bis 3-mal pro Woche magere Fleischmahlzeiten, die Reduktion einfacher Kohlenhydrate z. B. aus Weißmehl und Zucker sowie zwei Portionen fetten Seefisch pro Woche. Der Hintergrund: Das Fett im Fleisch ist reich an entzündungsfördernder Arachidonsäure. Besonders viel davon steckt in fettem Schweinefleisch, mäßige Mengen liefern mageres Rind- und Geflügelfleisch. Arachidonsäure gilt im Körper proinflammatorisch. Besser: Reichlich pflanzliche Lebensmittel vor allem frisches Gemüse, Obst, frische Kräuter und Wildkräuter. Gesunde pflanzliche Öle wie Leinöl oder Fisch enthalten Omega-3-Fettsäuren, die im Körper als Gegenspieler der Arachidonsäure gelten und dadurch Entzündungen hemmen können.
  • Darmfreundliche Kost: Ein Reizdarm ist ein häufiges Begleitsymptom bei Fibromyalgie. Schwer verdauliche Lebensmittel wie sehr Fettes oder Hülsenfrüchte dann besser meiden und nur selten essen. Probiotische Lebensmittel wie Naturjoghurt oder milchsauer vergorene Gemüsesäfte bringen eine gestörte Darmflora dagegen wieder in Balance. Einzelne Betroffene profitieren von einer glutenfreien Ernährung.
  • Säure-Basen-Haushalt: Viel tierisches Eiweiß sowie Phosphat sollen die Bildung von Säuren im Stoffwechsel begünstigen – was einen Einfluss auf unsere Muskeltätigkeit haben kann. Besonders eiweiß- und phosphatreich sind Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Käse, die nur in Maßen auf dem Speiseplan stehen sollten. Basische Lebensmittel wie Gemüse, Kräuter, Obst, Kartoffeln und Nüsse wirken der Übersäuerung entgegen.
  • Serotonin: Das Hormon Serotonin wird nicht nur umgangssprachlich als unser „Glücks-Hormon“ bezeichnet. Es ist auch entscheidend für ein normales Schmerzempfinden. Teilweise wird Patienten empfohlen besonders serotoninreich zu essen. Das ist jedoch ein Irrtum, denn Serotonin kann man nicht direkt über Lebensmittel „essen“. Unser Körper bildet den Botenstoff aus der Aminosäure L-Tryptophan, z. B. in Nüssen, Haferflocken, Datteln und Milch. Mehr über Serotonin und Tryptophan in der Ernährung erfahren Sie hier.
Unser Tipp:

In Bezug auf die Ernährung bei Fibromyalgie gilt: Probieren Sie aus was Ihnen guttut. Lassen Sie bestimmte Lebensmittel, für zwei bis vier Wochen weg. Verspüren Sie keine Besserung, brauchen Sie nicht weiter darauf verzichten. So vermeiden Sie unnötige Auslassdiäten und merken rasch, was Ihnen wirklich hilft.

Fasten zur Schmerzlinderung

Während des Fastens verändert sich unser Stoffwechsel und schüttet vermehrt Botenstoffe aus, die schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken. Auch die Regeneration und Selbstreinigung der Zellen – die Autophagie – wird angeregt. In naturheilkundlichen Kliniken wird das Fasten therapeutisch angewendet. Besonders alltagstauglich ist das Intervallfasten, das man auch zu Hause durchführen kann. Wichtig dabei: Ausreichend trinken, da beim Fasten vermehrt Stoffwechselabfälle entstehen.

Foto: shutterstock/248591101/Peppersmint


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Dunja Rieber

ist Ernährungswissenschaftlerin und schreibt seit 2018 für den LaVita-Blog. Ihr Grundsatz für eine gesunde Ernährung: Von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Beim Kochen soll es frisch und möglichst ausgewogen sein - aber nicht zu aufwändig, denn im Alltag mit zwei kleinen Töchtern bleibt nicht viel Zeit, um lange in der Küche zu stehen.

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