Cholesterin: Eier sind gesünder als gedacht.

Cholesterin: Eier sind gesünder als gedacht

Lange Zeit warnten uns Wissenschaftler vor der angeblichen Cholesterinbombe. Die vorschnelle Warnung vor Eiern in unserer Ernährung war allerdings übertrieben. Wenn die Qualität stimmt, können wir unser Frühstücksei wieder genießen.
von Dunja Rieber

Ja, Eier enthalten Cholesterin. Ungesund sind sie deshalb nicht unbedingt. Wenn die Qualität stimmt, beeinflusst das Fett im Ei kaum das Cholesterin in unserem Blut.

Jahrzehntelang hat man sich auf das Cholesterin in unseren Lebensmitteln fokussiert, wenn es um Herz-Kreislauf-Erkrankungen geht. Klammheimlich hat vor einiger Zeit aber sogar die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) die Warnung vor Eiern aus ihren Regeln für gesundes Essen gestrichen. Statt der bisher empfohlenen zwei bis drei Eier pro Woche, können gesunde Menschen wieder nach Lust und Laune Eier essen.

Sind Eier nicht gesund?

Letztlich sind es Ablagerungen an unseren Gefäßen, die diese verengen und so zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Und diese Ablagerungen an unseren Gefäßwänden sind zum Teil aus Cholesterin – aber auch aus Zucker – aufgebaut. Die Tatsachen schienen auf der Hand zu liegen und so begann bereits in den 50er Jahren der Teufelszug gegen das Cholesterin. In unzähligen Kampagnen wurde vor allem das Ei als „Cholesterinbombe“ angeprangert. Weil Cholesterin vor allem im Eigelb steckt, brieten sich nicht wenige gar ein Omelett nur aus Eiweiß.

Unser Körper verwertet Cholesterin anders als gedacht

Doch wie stark beeinflusst das Cholesterin aus der Nahrung wirklich das Cholesterin in unserem Blut? In den letzten Jahren haben sich viele Wissenschaftler erneut dieser Frage gewidmet. Und festgestellt: So schlimm wie gedacht, ist das Frühstücksei nicht. Studien zeigen, dass Eier das Cholesterin nicht in die Höhe treiben wie vermutet. Mit einer Ausnahme: Menschen, bei denen die Werte erblich bedingt besonders schnell in die Höhe klettern.

Gesundheit: Es kommt auf das Ganze an, nicht auf einzelne Lebensmittel

Der Cholesterinspiegel wird zwar durchaus durch unsere Ernährung beeinflusst, aber eher durch die Art der Fette, die wir insgesamt essen. Viel wirksamer als durch ein Eier-Verbot lässt sich der Cholesterinspiegel daher durch andere Maßnahmen senken. In diesem Zusammenhang sollten wir uns also lieber die Frage stellen: Welche Fette esse ich in welcher Menge und woher stammen diese Fette – anstatt uns auf ein „böses“ Lebensmittel zu konzentrieren.

Tipps für einen gesunden Cholesterinspiegel

  • Achten Sie auf Bio-Qualität und artgerechte Haltung. In Maßen sind Fette aus tierischen Lebensmitteln durchaus in Ordnung – wenn die Qualität stimmt. Denn gerade bei tierischen Produkten entscheidet die Herkunft auch über die Zusammensetzung. Das gilt für Fleisch, genauso wie für Eier. Bei Milchprodukten ist schon lange bekannt, dass Produkte von Tieren, die Gras fressen dürfen, eine wesentlich gesündere Fettsäurezusammensetzung besitzen und z. B. mehr gesunde Omega-3-Fettsäuren enthalten. Das ist bei Hühnern genauso: Tiere aus Massentierhaltung bekommen selten ihre natürliche Nahrung, stattdessen künstliches Soja-Kraftfutter – und das hat Auswirkungen auf die Zusammensetzung unserer Lebensmittel.
  • Meiden Sie Transfette und Frittiertes. Transfette bestehen aus chemisch gehärteten, billigen Pflanzenfetten und stecken z. B. in Chips, Keksen, Knabberzeug, Blätterteig und Fertiggerichten.
  • Ersetzen Sie gesättigte tierische Fette aus Fleisch und Wurst durch gesunden Seefisch und pflanzliche Öle wie Olivenöl und Leinöl. Gesättigte Fettsäuren sind in kleinen Mengen nicht schädlich. Essen wir zu viel davon, haben sie allerdings einen weitaus größeren Einfluss auf unseren Cholesterinspiegel als der Cholesteringehalt in unseren Lebensmitteln.
  • Essen Sie pflanzenbetont. Wenn Gemüse und Obst die tägliche Basis bilden, darf es auch gerne öfter ein Ei sein – und sonntags auch mal zwei.

Ab und an ein Hühnerei von guter Qualität, vielleicht sogar vom Bauern bei Ihnen in der Nähe – dagegen spricht also nichts. Unter der Schale stecken viele positive Eigenschaften und wertvolle Nährstoffe: Vitamin D und Vitamin A, B-Vitamine und ein hoher Anteil wertvoller essentieller Aminosäuren (Eiweiße).

Cholesterin und Gesundheit

Cholesterin ist trotz seines schlechten Rufs ein lebensnotwendiger Baustein in unserem menschlichen Körper. Die Hormone Östrogen und Testosteron werden z. B. aus Cholesterin hergestellt. Im Blut aber, ist zu viel Cholesterin gefährlich. Nimmt der Arzt Blut ab und stellt ein hohes Cholesterin (LDL) fest, ist das ein wichtiges Indiz für ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Im Zusammenhang mit Hühnereiern fällt auch immer wieder der Begriff „biologische Wertigkeit“. Dieser Wert beschreibt, wie gut wir das Eiweiß aus unserer Ernährung in körpereigenes Eiweiß umbauen können. Bei Eiern funktioniert das nahezu perfekt. Denn unser Körper kann das Eiweiß sehr gut verwerten und fast vollständig nutzen.

Foto: shutterstock/740251387/Kzenon

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Dunja Rieber

ist Ernährungswissenschaftlerin und schreibt seit 2018 für den LaVita-Blog. Ihr Grundsatz für eine gesunde Ernährung: Von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Beim Kochen soll es frisch und möglichst ausgewogen sein - aber nicht zu aufwändig, denn im Alltag mit zwei kleinen Töchtern bleibt nicht viel Zeit, um lange in der Küche zu stehen.

3 Kommentare

  • Hallo, ich würde gerne wissen wie sie zum ghee stehen.. ? In der Ayurveda wird es viel angewendet und hat einen gesunden Ruf.
    Olivenöl soll man zum Beispiel nicht sehr hoch erhitzen … Ghee wäre auch höher erhitzbar zum Beispiel.

    • Dunja Rieber
      Dunja Rieber

      Hallo Mona,
      Ghee ist hocherhitzbar und Sie können es gerne in der Küche verwenden. Ghee besteht aus Butter. Daher ist die Qualität des Produkts umso besser, je besser es den Kühen erging und je natürlicher ihr Futter war. Ghee aus Butter von Tieren aus Weidehaltung wäre optimal, da sich nicht nur die Kühe freuen, wenn sie Gras fressen dürfen, sondern sich dadurch auch die Fettsäurezusammensetzung verbessert. Natives Olivenöl extra vergine können Sie bis 180 Grad erhitzen, also auch zum milden Braten verwenden.
      Herzlichst,
      Dunja Rieber

  • Narayan 08

    Hallo, Frau Rieber,

    generell zum Thema „Eier“ in der Ernährung.
    Habe vor 30 Jahren mal ein kleines Büchlein vom schwedischen Ernährungsexperten Are Waerland gelesen: „Warum ich weder Fleisch, Fisch noch Ei esse?“ und demzufolge dieses „Lebensmittel“ völlig aus dem Ernährungsplan gestrichen. Seinen Forschungen zufolge erzeugen Eier sogar noch wesentlich mehr Fäulnisbakterien im Darm als Fleisch oder Fisch….. (übelst riechende „Winde“ nach Ei-Genuss sind uns wohl allen bekannt :-).

    Unabhängig also von der Auswirkung auf den Cholesterinspiegel, sonstigen „Nährwerten“ oder evtl. in Verbindung mit überwiegend obst- und gemüse-orientierten Ernährungsweisen – im Zusammenhang mit gesunder Ernährung sind und bleiben Eier m.E. ein absolutes „No-Go“!

    Viele Grüße
    Narayan 08

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