Gesunder Rotwein - stimmt das wirklich?

Alkohol: In Maßen gesund oder schadet jeder Tropfen?

Wohl bekommt’s! Wer ab und an ein Glas Wein trinkt, lebt gesünder – oder etwa doch nicht? Jeder Tropfen soll krank machen, behauptet eine Forscher-Gruppe. Was steckt dahinter?
von Dunja Rieber

Roter Wein schützt das Herz, Bier spült die Leber. Ein moderater Alkoholkonsum soll eine schützende Wirkung auf unseren Körper haben – so die Annahme der Wissenschaft. Doch in jüngster Zeit mehren sich die Stimmen, wonach Alkohol alles andere als Medizin für den Körper sein soll. Ein Professor hatte kürzlich in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ eine Studie veröffentlicht, in der er darauf hindeutet, dass bereits die geringste Menge Alkohol gesundheitsschädigend sei. Was ist wirklich dran?

Ist Alkohol ein Risikofaktor?

Die neue Studie dürfte die bisher umfassendste zum Thema sein. Daten aus 694 Studien zum Alkoholkonsum sowie 592 Forschungsarbeiten zu dessen gesundheitlichen Auswirkungen flossen in die Mammutstudie ein – insgesamt also Daten von 28 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 95 Jahren aus 195 Ländern. Das erschreckende Fazit: In Deutschland landet Alkohol hinter Risikofaktoren für Krankheiten und vorzeitigen Tod wie zum Beispiel Rauchen oder einseitige Ernährung auf Platz sechs. So begünstigt der Alkoholkonsum den Forschern zufolge Krankheiten wie Herzinfarkt, Bluthochdruck, Tuberkulose, Leberzirrhose oder auch Krebs. 23 verschiedene Krankheiten hatten sich die Wissenschaftler von der Universität in Seattle für ihre Studie genauer angesehen. Zu folgendem Ergebnis kamen sie:

  • In einem Jahr, in dem 100 000 Menschen keinen Tropfen Alkohol tranken, erkrankten 914 Menschen.
  • Bei einem alkoholischen Getränk pro Tag wurden 918 von 100 000 Menschen krank.
  • Konsumierten 100 000 Menschen zwei alkoholische Getränke pro Tag hatte dies negative Auswirkungen auf 977 Probanden.
  • Tranken die Testpersonen fünf Gläser am Tag, stieg die Zahl der Krankheitsfälle auf 1252.

Was heißt das nun genau?

  • Im Alter unter 50 Jahren sind hohe Mengen Alkohol der wichtigste Faktor für den Verlust gesunder Lebensjahre.
  • Bei den über 50-Jährigen dominieren Tumorerkrankungen bei den durch zu viel Alkohol verursachten Todesursachen.
  • Auch wenn das Risiko zwischen Abstinenzlern (914 Erkrankte) und moderaten Trinkern (918 Erkrankte) nicht allzu groß ist, lautet das Fazit des Forschers: Es gibt kein sicheres Level beim Trinken – jeder Tropfen soll schädlich sein.

Was ist Alkohol eigentlich?

Alkohol ist ein klitzekleines Molekül, das aus sechs Wasserstoff-, zwei Kohlenstoff- und einem Sauerstoff-Teilchen besteht und in der Biochemie als Ethanol bezeichnet wird. Das Gefährliche an diesem Molekül? Es ist leicht löslich und dringt ungehindert in die Zellen ein. Selbst die sonst so schwer passierbare Blut-Hirn-Schranke kann es ohne größere Probleme durchdringen. Da es zudem auch noch extrem energiegeladen ist, bringt es den Stoffwechsel nicht selten gehörig durcheinander.

Wie Alkohol dem Körper schadet

Hohe Mengen Alkohol schaden subtil, denn er greift in viele verschiedene Körperprozesse ein: den Stoffwechsel, das Hormonsystem, die Immunabwehr und die Kommunikation zwischen den Nerven. Beim Abbau von Alkohol produziert der Körper zudem den Stoff Acetaldehyd, der das Erbgut schädigen und Krebs begünstigen kann.

Ist Rotwein besonders gesund?

Wenn der neuesten Studie zufolge bereits die kleinste Menge Alkohol bedenklich für uns Menschen ist – wieso haben so viele Forschungen in der Vergangenheit ergeben, dass Menschen, die moderat Alkohol konsumieren länger leben als Personen, die ganz auf Alkohol verzichten? Und wie erklärt man das Phänomen, dass Franzosen – größtenteils leidenschaftliche Weinkonsumenten – bedeutend seltener einen Herzinfarkt erleiden, als Bewohner mitteleuropäischer Länder? Ein Grund: Da Alkohol die Herzkranzgefäße weitet, wird das Risiko für plötzliches Herzversagen und Gefäßerkrankungen gesenkt. Auch das vor allem in Rotwein enthaltene Resveratrol wird dabei immer wieder genannt.

Dennoch: In älteren Studien wurde zum Teil der mediterrane Lebensstil der Franzosen völlig außer Acht gelassen, obwohl eine klassische Mittelmeer-Kost als ausgesprochen herzgesund gilt und ein Grund für den Unterschied zwischen Mittel-und Südeuropäern liefern könnte.

Moderater Genuss – ja oder nein?

Alkohol in großen Mengen zu konsumieren ist sicher schädlich. Kritiker der neuen Studie aus Seattle weisen zudem darauf hin, dass die Ergebnisse (914 Abstinenzler, die unter 100 000 Menschen in einem Jahr erkrankten versus 918 Menschen, die ein alkoholisches Getränk pro Tag konsumierten und erkrankten) ein sehr niedriges, fast schon vernachlässigbares Risiko darstellen. Interessant sind auch die Ergebnisse des Evolutionspsychologen Robin Dunbar von der Universität Oxford. Sein Fazit: Wer öfter mit Freunden gemütliche Abende verbringt und dabei auch mal ein Gläschen genießt, hat mehr enge Freunde. Und ein gutes soziales Netzwerk wirkt sich bekanntermaßen positiv auf die Gesundheit aus. Das ist kein Appell für einen grenzenlosen Alkoholkonsum, aber es spricht nichts dagegen, von Zeit zu Zeit ein gutes leckeres Glas Wein oder ein kühles Bier zu genießen.

Alkohol – das richtige Maß

Je nach Land wird die Menge Alkohol, die als unbedenklich gilt, unterschiedlich definiert. Deutschland ist mit seiner aktuellen Definition der risikoarmen Tagesmenge vergleichsweise streng. So empfehlen Fachgesellschaften Frauen nicht mehr als zwölf Gramm reinen Alkohol am Tag, was etwa einem Achtelliter Wein oder 0,3 Litern Bier entspricht. Der Richtwert für Männer liegt mit höchstens 24 Gramm doppelt so hoch. Eine alkoholfreie Zeit von zwei bis drei Tagen die Woche wird empfohlen.

Foto: shutterstock/1290357493/ImYanis

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Dunja Rieber

ist Ernährungswissenschaftlerin und schreibt seit 2018 für den LaVita-Blog. Ihr Grundsatz für eine gesunde Ernährung: Von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Beim Kochen soll es frisch und möglichst ausgewogen sein - aber nicht zu aufwändig, denn im Alltag mit zwei kleinen Töchtern bleibt nicht viel Zeit, um lange in der Küche zu stehen.

17 Kommentare

  • Helmut Ehses

    Hallo zusammen,
    was ist mit Depressionen, haben „Trinker“ weniger oder mehr wie die Alkoholfreien ?
    Da gab es auch mal eine Expertise. Und die zeigte, dass die „Trinker“ kaum Antidepressiva benötigten und sich somit die starken Nebenwirkungen ersparen.
    Noch eine Frage? 100.000 zu 1252 Erkrankungen!! Wie alt waren die Erkrankten
    (nicht Verstorbene) und hatten diese sonst keine weiteren Schädigungen?

    Da gibt es auch noch eine seriöse Studie. 4 Flaschen Bier (2 Liter) täglich, verkürzen das Leben um
    5 Jahre. Mit „Augenzwinkern“ wenn Sie mit 90 schon jahrelang bettlägerich sind, bereuen Sie bestimmt, dass sie nicht jeden Tag 4 Fl. Bier getrunken haben.
    Dieter Nuhr hat auch einen guten Vortrag dazu.
    Nur wer nicht an Gott glaubt, hat nach dem Tode ein dann unlösbares Problem.
    Die anderen kommen ins Paradies, früher oder später.
    Das war mein Nachtgedanke! Und was Ihr denkt erfüllt sich.

    • Es war auch meine erste Gedanke wonach die Ü. 1200 Leute erkrankt waren.. Kenne in mein Umfeld einige die sterile leben o. Konsum hatten und jung verstorben sind. Kenne auch paar läute die sich mit Rotwein das Qualität des Lebens auch verstärken. Lg

  • Und wenn ich auch nicht zu den 914 Erkrankten gehören will, was hat der Professor dann für einen Ratschlag? Also, ich werde jedenfalls heute Abend meinen Rotwein zum Abendessen trinken und mich besser fühlen als wenn ich nur Wasser in mich reinschütte.

  • Irene Scholz

    Frau Rieber sollte unbedingt noch die neuesten neurowissenschaftlichen Erkenntnissse von Brant Cortright,“ Das Bessere Gehirn – Wie Sie lebenslang die Bildung neuer Nervenzellen anregen,“ Scorpio-Verlag in ihre Empfehlungen aufnehmen.
    Cortright ist Professor für Psychologie am California Institute of Integral Studies. brantcortright.com
    Zitat S. 116: „Selbst der maßvolle Konsum von Alkohol reduziert die Neurogenese um 40 Prozent.“
    Ich vermute, dass dies vielen Zeitgenossen unbekannt sein dürfte.
    Irene Scholz

  • Man bekommt ein wenig den Eindruck, dass die Lebensqualität, die sozoiale Integration und ein erfülltes Familienleben vom Genuss von Alkohol beeinflusst werden. Ich glaube, ein Erdenbürger der genau Obiges für sich behaupten kann und keinen Alkohol trinkt, ein gesünderes Leben führt als einer der genauso Obiges für sich behaupten kann und Alkohol in unbestimmter Menge trinkt.
    Um MIssverständnissen vorzubeugen, ich trinke sehr gerne Alkohol, fühle mich gut und möchte es auch nicht anders haben. Zumindest beruhigen mich die Forschungsergebnisse sehr….., Günther

  • Alkohol ist ein suchtmittel

  • Holger Miersch

    Ein guter Braten ohne Wein, ein Grillabend ohne Bier aber auch eine Party völlig ohne Alkohol, kein Biergartenbesuch mehr, kein Weinfest, sorry aber das möchte ich nicht. Alkohol verschönerte mir viele, viele Essen, Events und Lebenssituationen und hat mir auch schon geholfen, wenn es meiner Seele mal gar nicht gut ging. Das möchte ich nicht missen und dafür gebe ich gern ein paar Jahre Leben.
    Ich will nicht dem Leben Jahre geben, sondern den Jahren Leben.

  • Das Leben, die Familie und die Gesellschaft mit der man Zeit verbringt, kann man wunderbar auch ohne Alkohol genießen! Es sei denn die anderen haben etwas dagegen, was oft von der Gruppe abhängt. Dann sollte man sich überlegen, ob es die richtigen Menschen sind, die man sich gezwungen fühlt schön trinken zu müssen.
    Dass Alkohol (vor allem Autoimmunkrankheiten) negativ begünstigt, merkt man erst, wenn man sich ab und an doch ein Gläschen gönnt und danach die Symptome wieder auftauchen. Wer es nicht merkt, weiß nur noch nicht, dass es am Alkohol liegt. Alkohol in der Form ist Gift für den Körper, da hilft es nichts sich das schön zu reden.
    Es gibt so viele Techniken, um das Leben frei von Süchten und psychischen Einschränkungen zu genießen! Da ist Alkohol das letzte, was man seinem, durch die Umwelt bereits geschädigten, Körper antun sollte.
    Man sollte sich mal ‚trauen‘ einen Tee auf der Party zu trinken, statt dem Gruppenzwang zu unterliegen.
    Sonnige Grüße

    • Wem es gefällt, zum Grillabend Tee (!) zu trinken, der soll es tun und sich seiner Gesundheit erfreuen. Ich mache es nicht und mit Gruppenzwang hat das gar nichts zu tun, sondern mit Genuss, den ich mir selbst gönne.

  • Heiko Wittig

    Danke Frau Dunja Rieber für den Beitrag.
    Leider denken hier Einige, sie würden hier ihre persönliche Meinung veröffentlichen. Stattdessen haben sie ja nur Informationen zusammengetragen. Dafür das Danke.
    Exzessiver Alkoholgenuss zu jeder Zeit ist natürlich fatal.
    Der gelegentliche Genuss muss nicht, darf doch sein. Das sollte jeder für sich entscheiden dürfen, um
    selbst herauszufinden was guttut oder eben nicht.

  • Helmut Ehses

    Was sagte Jesus zu dem Thema:
    „Trinkt nicht nur Wasser, sondern nimm auch etwas Wein, mit Rücksicht auf deinen Magen und deine häufigen Krankheiten.“ (Neues Testament, Timotheus 5, Vers 23)

    Oder denkt mal an die Hochzeit, bei der Jesus, Wasser in Wein verwandelte.
    Oder bei jeder hl. Messe. Jesus sagte: Tut dieses zu meinem Gedenken. Leider trinkt hier nur der Pastor. Und Pastöre werden ziemlich alt.
    Ich denke aber auch, dass es auch keine Pflicht ist zu trinken, um ins Paradies zu kommen.

    Nochmal, was ihr denkt trifft ein. Wenn ihr denkt, ihr werdet vom Alkohol krank, werdet ihr Recht haben. Und wenn ihr denkt, ihr werdet nicht krank, werdet ihr auch Recht haben. Schon Jesus sagte:
    Euch geschehe nach Eurem Glauben. Wir nennen es z.B. positives Denken. Andersherum, Angst und Verzweiflung ist Gift für das Leben. Noch schlimmer, deine Angst und deine ängstliche Gedanken zieht das Gefürchtete an. Ein gutes Buch dazu ist: Das LOLA-Prinzip von Renè Egli.

  • Ich trinke seit einem Jahr gar keinen Alkohol mehr. Ich wurde seinerzeit gerade 60 Jahre alt und dachte, verschiedene Probleme wie Schlafstörungen, Herzrasen, Angstzustände, schwaches Immunsystem, ständige Schlappheit in den Erkältungszeiten etc. kämen vom Alter, aber weit gefehlt. Schon zwei Wochen nach der Abstinenz, waren alle Symptome weg und ich bin wieder fit wie mit 40 Jahren und schlafe wie ein Baby.

    Ich werde den Teufel tun, wieder regelmäßig verdünntes Gift zu mir zu nehmen. Egal was in irgendwelchen Studien steht, probiert es einfach aus, es sind manchmal einfach nur seltsame Angewohnheiten, weil es ja „jeder“ macht.

    Ich nehme gerne an allen gesellschaftlichen Events teil und hab viel Spaß dabei. Zum Glück hat mir noch keiner ein schlechtes Gewissen gemacht, weil ich nichts mehr trinke. Meine Familie und meine Freunde lieben mich trotzdem noch 😉

  • Rosinchen

    Jeder sollte nach seinen Wünschen leben, mit dem Bewusstsein, bei Problemen mit der Gesundheit, dem Nachzugehen. Ich habe Schlafstörungen…aber weder Alkoholverzicht (in Maßen mal ein Glas Wein), Ess- und Lebensgewohnheiten, noch Schichtarbeit (auch im Urlaub funktioniert es nicht bei besten Bedingungen) und Wechseljahre kann ich als alleinige Ursache ausmachen. Es helfen bislang weder Lavendel, Milch+Honig, Meditation noch andere hoch gepriesene Mittelchen. Ich schlafe nachts gut+fest nur viel zu kurz, höre jedes Geräusch. Tagsüber gut+fest+tief, da kann man mich wegtragen, die Kreissäge kann neben mir laufen….Inzwischen habe ich mich damit arrangiert und lasse mich nicht von Studien beeinflussen. Ich mache das, was mir und meinem Körper am Besten tut. Ich lebe jetzt und heute, mit Genuss, gelegentlich Verzicht… ob später 5 Jahre mehr oder weniger, was hab ich davon, wenn ich das Leben davor nicht gelebt habe?

  • Heidi Eisenbach-Horn

    … ein Beleg mehr für die „allgemeine Verunsicherung“ i.S. „Gesunde Lebensführung“ …
    Ich halte es da eher mit der mir – Gott sei Dank – bewahrten „somatischen Intelligenz“, die in diesem Dschungel widersprüchlicher „Erkenntnisse“ sich durchaus positiv und zielführend auswirkt!

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