Adaptogene wie Ingwer und Rosenwurz können helfen, Stress zu reduzieren.

Adaptogene: Was können die Anti-Stress-Mittel aus der Natur?

Adaptogene sind Pflanzen, die unserer Seele guttun und uns helfen Stress zu verarbeiten. Einige dieser Pflanzen haben Sie vielleicht schon in Ihrem Küchenschrank.
von Dunja Rieber

Was sind Adaptogene?

Als Adaptogene gelten bestimmte Kräuter, Gewürze, Pilze oder Wurzeln. Sie enthalten natürliche Substanzen, die unserem Organismus helfen, besser mit belastenden Situationen umzugehen. Dabei sollen sie regulierend und ausbalancierend wirken: Sind wir übermäßig ängstlich, machen sie uns gelassener, sind wir gestresst, wirken sie beruhigend, fühlen wir uns ausgelaugt, wirken sie aufbauend.

Bekannte Adaptogene sind Ingwer, Rosenwurz, Kurkuma und Ginseng. Weitere sind Maca-Maca, Ashwanganda (Schlafbeere, Indischer Ginseng) und einige Heilpilze, die jedoch meist nur in getrockneter Form erhältlich sind.

Wegen ihrer harmonisierenden Wirkung auf unsere Psyche, unseren Schlaf und unser Immunsystem sind Adaptogene im Ayurveda und der chinesischen Medizin seit Jahrhunderten bekannt. Und es gibt immer mehr westliche Mediziner, die von ihrer Wirkung ebenso überzeugt sind. Die Bezeichnung Adaptogen existiert seit 1947 und wurde geprägt durch den russischen Pharmakologen Nicolai Lazarev.

Wie wirken Adaptogene?

Der Begriff Adaptogen leitet sich ab von „adaptieren“, also anpassen. Das heißt, diese Pflanzen passen ihre Wirkung an den jeweiligen Zustand unseres Organismus an. Sie wirken ganzheitlich harmonisierend und helfen uns wieder ins Gleichgewicht zu kommen. In der traditionellen Naturheilkunde werden adaptogene Pflanzen angewendet bei:

  • Stress und Ängsten
  • Erschöpfungszuständen
  • depressiven Verstimmungen
  • schwachem Immunsystem
  • Reizdarm

2011 bescheinigte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) erstmals den positive Einfluss eines Adaptogens (Rosenwurz, Rhodiola rosea) zur Linderung von Stresssymptomen. Seitdem erforschen immer mehr Wissenschaftler die verblüffende biologische Wirkung dieser besonderen Heilpflanzen.

Helfen Adaptogene bei Stress?

Adaptogene können auf natürliche Weise die negativen Folgen von chronischem Stress reduzieren. Die pflanzlichen Wirkstoffe beeinflussen die Ausschüttung von Cortisol sowie unseren Energiestoffwechsel  Phytother Res. 2012., Phytomedicine. 2018). Stress-Patienten waren weniger erschöpft und leistungsfähiger. Aber wie machen die adaptogenen Heilpflanzen das?

Natürliche Stresskiller

Um zu verstehen, wie die Pflanzenstoffe in das Stress-Geschehen eingreifen, ist es wichtig zu wissen, was die Stress-Achse in unserem Körper ist:

  • Adaptogene regulieren sanft unser Hormonsystem und bringen es wieder in Balance, so dass die Folgen von Stress viel geringer ausfallen. Unter Anspannung bildet unser Gehirn Botenstoffe, die unsere Nebennieren zur Produktion des Stresshormons Cortisol anregen. Entlang der Stress-Achse, die vom Gehirn bis zu unserem Darm verläuft, wirkt sich Cortisol auf viele Bereiche unseres Körpers negativ aus: Während Blutdruck und Puls steigen, ruht unser Magen-Darm-Trakt. Die Produktion von Magensäure und die Verdauung stehen still. Das ist auch der Grund, weshalb Verdauungsprobleme eine so häufige Folge von Stress sind.

Auch bei Burnout zeigte sich in einer österreichischen Studie eine Verbesserung der Beschwerden durch die adaptogenen Wirkstoffe.

Adaptogene – die richtige Anwendung: Wenn Sie Adaptogene gerne ausprobieren möchten, empfiehlt es sich z. B. mit Ingwer oder Kurkuma zu starten, denn diese sind frisch in vielen Bio-Märkten erhältlich und auch insgesamt sehr gesund. Für einen adaptogenen Anti-Stress-Tee geben Sie jeweils einen halben Teelöffel geriebene Ingwer- und Kurkumawurzel in eine Tasse. Mit kochendem Wasser übergießen, zehn Minuten ziehen lassen – und genießen! Die geriebene Ingwer- und Kurkumawurzel dabei mittrinken. Rosenwurz-Extrakt in kontrollierter Arzneimittelqualität ist in der Apotheke erhältlich. Adaptogene aller Art gibt es auch in getrockneter Form als Pulver oder Kapseln. Seien Sie jedoch kritisch, was die Qualität dieser Produkte angeht. Importware aus dem Ausland wird – im Gegensatz zu Produkten aus Deutschland – nicht kontrolliert.

Wem können Adaptogene helfen?

Heilpflanzen können wohltuend für unsere Psyche sein, vor allem bei leichteren Beschwerden. Für die Meisten sind pflanzliche Mittel weitaus besser verträglich als synthetische Medikamente mit künstlichen Inhaltsstoffen, bei denen sich häufig viele Nebenwirkungen ergeben. Im Gegensatz zur chemischen Pille wirken sie ganzheitlich auf unseren Körper anstatt nur isoliert auf einzelne Bereiche.

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Foto: Shutterstock, 1130540315, AlexanderRuizAcevedo

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Dunja Rieber

ist Ernährungswissenschaftlerin und schreibt seit 2018 für den LaVita-Blog. Ihr Grundsatz für eine gesunde Ernährung: Von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Beim Kochen soll es frisch und möglichst ausgewogen sein - aber nicht zu aufwändig, denn im Alltag mit zwei kleinen Töchtern bleibt nicht viel Zeit, um lange in der Küche zu stehen.

2 Kommentare

  • Penka Donnert, Heilpraktikerin, Schwerpunkt Vitalstofftherapien und Ernährung

    Ein toller verständlicher Artikel über die Adaptogene!
    Ich habe vor ca. 8 Jahren den Reishi Pilz (Ganoderma lucidum) kennengelernt und eingenommen als zugesetzten Pulver in den Kaffee, auch von Kunden kam immer ein positiver Feedback.
    Eine weitere Heilpflanze mit adaptogene Wirkung, die bereits im Alten Rom gegen depressiven Stimmungen gerne eingesetzt wurde, so wie in der Ayurveda für ihre harmonisierende Wirkung sehr geschätz wird: Die Rosa Damascena. Ob als Tee oder in Form von Rosenwasser, Rosenextrakt und Rosenöl in kleinen Mängen zu Getränken oder Speisen, ist sie ein Genuss! (z. B. Cappuccino mit Rosenessenz-Tropfen). Hier gilt es auch: Immer auf hohe Bio-Qualität achten!

    • Ingeborg Fränzel

      Ich bin sehr dafür empfänglich. Aber ich habe durch Medikamente einen schwierigen Magen. Bei ingwertee tut mir der Magen weh. Ihr Blog ist sehr interessant. Ich bin begeistert.

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